1. Die Bruchzeichen der Jäger – Richtungs- und Gefahrenbruch

Auf der Jagd besteht vielfältig die Notwendigkeit zwischen Jägern/mit Jagdgehilfen oder anderen Personen zu kommunizieren. Das Wissen um den Bruch gehört zum jagdlichen Brauchtum da es sich in Jahrhunderten entwickelt hat.

Der Gefahrenbruch

Als “Bruch” bezeichnet der Jäger einen grünen von einem Baum abgebrochenen Ast. Dieser kann – ganz oder teilweise -“gefegt” sein. D.h. die Zweige und/oder auch die Rinde  sind mit dem Jagdmesser entfernt worden.

1. Der Leitbruch

Der Leitbruch ist ein mindestens armlanger Bruch der an seinem unteren Ende gefegt ist. Er  signalisiert “Achtung! Erhöhte Aufmerksamkeit!” Der grüne Teil weist in die Richtung in die diese Aufforderung gilt bzw. in der als nächstes ein Richtungsbruch zu erwarten ist.

Der Leitbruch

 

2. Der Richtungsbruch

Der Richtungsbruch zeigt an in welche Richtung die betreffende Person gegangen ist. Dazu wird ein Bruch von ungefähr einer halben Armlänge zur Hälfte, mindestens jedoch ein  Drittel gefegt (es gibt regionale Unterschiede). Wieder zeigt der grüne Teil in die Richtung in die gegangen wurde. Der Richtungsbruch wird nur einmal, am Beginn der Fährte gelegt. Sofern erforderlich wird ein Folgebruch gelegt.

 

 

Größenvergleich Leit mit Richtungsbruch

 

3. Der Folgebruch

Aus der Notwendigkeit klar die Fährte zu legen, ist der Folgebruch. Er ist deutlich kleiner als der Richtungsbruch und kann recht unauffällig sein. Immer jedoch ist der Bruch so gefegt, dass das helle Holz zu erkennen ist (das muß bei 1 und 2 nicht unbedingt so sein). Er wird wie der Richtungsbruch zur Hälfte gefegt und so in die Erde gesteckt das  die Richtung in die gegangen wurde erkennbar ist (z.B. in die Mitte des abzweigenden, genutzten Weg gesteckt.) Wichtig – er wird so gesteckt, das weiterhin das blanke Holz gut zu sehen ist.

Kann mit einem Folgebruch keine sichere Übermittlung der Richtungsinformation  hergestellt werden, dann wird erneut ein Richtungsbruch gelegt.

SONY DSC

4. Der Gefahrenbruch

Der Gefahrenbruch wird in unmittelbarer Nähe der Gefahrauslösenden Stelle (z.B. an einem instabilen Hochsitz oder in unmittelbarer Nähe zu einer Falle) an einen Baum/oder das Objekt gehängt. Er besteht aus einem vollständig gefegten Zweig, der gebogen und an den unteren Enden verknotet ist.

Liegt der Gefahrbruch auf dem Boden wird er mit einem Richtungsbruch kombiniert der in die Richtung der Gefahr weist. Früher konnte letztere Variante um weitere gefegte Zweige ergänzt werden die jeweils für eine Minute bis zur Gefahrenquelle standen.

Hängt der Gefahrenbruch an einem Schlagbaum am Waldeingang bezieht sich  die Warnung auf den ganzen Wald. Ich habe diese Variante erstmals nach den letzten Winterstürmen selbst gesehen.

Der Gefahrenbruch
Gefahren- und Richtungsbruch, ich würde bei einer solchen Auffindesituation mit Gefahren durch Sturmschäden oder Holzfällarbeiten rechnen.

5. Der Galgenbruch (die sächsisch-thüringische Variante des Gefahrenbruch)

In Sachsen und Thüringen (möglicherweise auch noch in anderen Bundesländern) gibt es eine Sonderform. Ein Zweig am lebenden Baum wird nicht gefegt und zweimal abgekickt. Idealerweise so das der Bruch wie ein Galgen über dem weg hängt.

Da er nicht von zufällig abgeknickten Zweigen zu unterscheiden ist, geht ihm  immer und deutlich ein Leitbruch voraus.  Eigendlich ist das kein “echter” Bruch ist aber in Sachsen tradiert. Angeblich (“Vom gerechten Waidwerk”, Dresden, 1884) stammt er aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und man warnte damals so die Reisenden vor Räubern und Soldateska in den Wäldern. Ich persönlich glaube nicht, dass diese Geschichte stimmt, sie  klingt mir sehr nach einer romantischen Erzählung des 19. Jh.

SONY DSC

6. Der Nachrichtenbruch (oder verblendeter Bruch)

Mein Wissensstand zu dem Nachrichtenbruch ist disparat. Wikipedia beschreibt ihn als eine moderne Erfindung, die sich noch nicht allgemein durchgesetzt hat. Ich kenne jedoch frühere Erwähnungen. So will ich bei den nachfolgenden Beschreibungen auf den Hofjägermeister der meiningschen Herzögen der Goethezeit, Franz Carl von Ziegesar vertrauen.

Der Nachrichtenbruch ist ein etwa armlanger ungefegter Bruch. Meist ist es ein sehr buschiger Bruch. Am unteren Ende des Bruch wird ein etwa 1 cm bereiter Ring der Rinde entfernt. Um den Ring deutlicher erkennbar zu machen (damit sich der Bruch von anderen auf dem Boden liegenden Ästen unterscheidet) können die unteren Zweige entfernt werden, niemals jedoch die Rinde. Der Bruch wird durch den Ring”dekoriert” oder auch “geschmückt”. Die eigentliche Nachricht wird in den Zweigen des oberen Endes verborgen (verblendet). Daher der Name “Verblendeter Bruch”.

Der Nachrichtenbruch

 

Ein Wort zum Umgang mit Bruch: das man einen gefundenen fremden Bruch in Ruhe lässt sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber auch das man den Bruch der seine Aufgabe erfüllt hat wegräumt. Leider tun letzteres nicht alle Jäger. Deswegen kann es gelegentlich  notwendig sein dies zu tun, z.B. wenn man einen frischen Richtungsbruch legen will und dort liegt noch ein wochenalter rum. Niemals anrühren würde ich einen Nachrichtenbruch oder einen Gefahrenbruch.

Fotos – alle Fotos und der Bruch wurden für diesen Eintrag vom Autor angefertigt.

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.