Albertpark und der Turm auf dem Wolfshügel

Blick vom Turm auf dem Wolfshügel. (Quelle: Deutsche Fotothek Dresden)

Dresden durchlief im 19 Jahrhundert eine rasante Entwicklung. War die gewerbliche Struktur Dresdens noch am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Befriedigung des Bedarf der Beamten und des Hofes geprägt entwickelte es sich bis 1900 zur sechstgrößten Industriestadt Deutschlands. Die Einwohnerzahl stieg von 90.000 (Mitte des 19. Jh.) auf 555.000. Die Gründe für diese Entwicklung sollen hier nichts zur Sache tun und sind gut in der Literatur nachzulesen.

war Dresden aber in seiner Struktur noch immer vom kleinen und mittleren Bürgertum geprägt (75% der Hausbesitzer waren der Einkommensklasse kleiner 6000 Mark zuzuordnen). Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung und Zielrichtung des Dresdner Stadtrates. Industrie wurde geschickt und zäh auf Standorte an der Peripherie gelenkt und wo immer es ging von Wohnvierteln separiert. Für den Wohnungsbau erwies sich das Verbot von Flügelbauten als segensreich. gerade in den Wohnvierteln der ärmeren Bevölkerung – die Mietskasernen wie man sie aus Berlin, Leipzig und Chemnitz kennt. Oft lebten die Hausbesitzer im gleichen Haus wie die einfachen Arbeiter und Angestellten – ihre Mieter. Man geht nicht falsch wenn man in dem unseparierten Wohnen eine der Ursachen der verhältnimäßig sozialen Politik des Stadtrates sieht. Teilweise dürften Sorgen und Nöte nicht so unähnlich gewesen sein. . In das soziale Bemühen muss man auch die Schaffung von Parks und Grünzonen als die Eerholungsorte des kleinen Mannes einordnen. Dresden hat seit alters her viele adlige oder gar königliche Gärten (z.B. der Große Garten). Unabhängig davon das diese durchaus zum guten Teil der Öffentlichkeit zugänglich waren, schufen die Dresdner Stadtväter eine Reihe bürgerlicher Grünanlagen (z.B. die Bürgerwiese).

Als gegen Ende des 19. Jh. Die Diskussion sich darum drehte ob man den elbnahen Teil der Dresdner Heide in einen weiteren Industriestandort umwandelte, griffen die Dresdner Bürger mit finanzieller Unterstützung der König Albert Stiftung zu und kauften das Gelände zwischen Fischhausstraße, Bautzner Straße und Schneise 18 auf und wandelten es in einen Volkspark um. Neben dem Gedanken eines Erholungsraumes für Arbeiter (wie ihn schon Geheimrat Viktor Böhmert bei der Gründung seines angrenzenden Heideparkes (der freilich viel kleiner war) formuliert hat, ging es den Dresdner Stadtvätern auch darum des Wassereinzugsgebiets des Wasserwerks Saloppe  zu sichern. Der Park trug den Namen „König-Albert-Park“ und wurde im laufe der folgenden Jahre immer mehr für Erholungszwecken ausgebaut. Sportanlagen entstanden genauso wie ein erster naturkundlicher Lehrpfad. Und einzelne Statuen akzentuierten den Waldpark.

Zentauer Cheiron (Statue von Otto Perentz am Übergang des Albert Park zu dem Waldpark des Lahmannschen Sanatoriums)

In diese Bemühungen reiht sich auch der Bau eines Aussichtsturmes auf dem Wolfshügel. Der Wolfshügel ist 211m hoch. Er ist einen sandbedeckten Überschiebung des Lausitzer Massivs. Der Wolfshügel hatte schon mindestens seit der Mitte des 19. Jh. Ein Holzgerüst als Aussichtsplattform. Nun baute der Dresdener Ratsbaumeister Erlwein aus Stahlbeton einen impossanten Aussichtsturm. Der Aussichtsturm wurde 1911 eingeweiht und entwickelte sich rasch zu einem Anziehungspunkt. Hatte man doch von dort aus einen der besten (wenn nicht gar den besten Ausblick auf Dresden). Hans Erlwein verstand es mit dem Werkstoff Beton, neue, oft monumentale aber der klassischen Formsprache verpflichtete Gebäude zu schaffen. So auch der Aussichtsturm auf dem Wolfshügel.

Ansichtskarte vom Turm auf dem Wolfshügel

Der Turm wurde 1945 gesprengt. Ich kenne dazu zwei Narrative. Der eine spricht davon, dass die Wehrmacht den Turm am 7. Mai gesprengt hat, damit die Rote Armee ihn nicht als Beobachtungsposten nutzen kann. Der andere geht so: in den Julitagen 1945 hätte die Rote Armee den Turm gesprengt weil sie den Albertpark für einen Schloßpark  (soviel „Luxus“ für Arbeiter war ihnen nicht möglich zu glauben ) und den Turm damit für einen Schloßpark gehalten haben. Für beide Erzählungen kenne ich keine Belege. Fakt ist: der Turm wurde zerstört und das Gebiet gehörte zu einer Einrichtung der Roten Armee bis zum Abzug 1994.

Ruine des Turms auf dem Wolfshügel.

Seit einiger Zeit gibt es Bemühungen um den Wiederaufbau. Sichtbar ist davon noch nichts.

Zum Vergleich nocheinmal ein Blick auf den Turm wie er mal war… (Quelle: Deutsche Fotothek)

benutzte Quellen:

A) Thomas Kantschew, „Die städtebauliche Entwicklung Dresdens im 19. Jahrhundert“, ungedruckte Magisterarbeit FU Berlin 1996

(auch unter: http://www.tom-connect.de/Staedtebau-Dresden/gliederung.html zu finden)

B) Klaus Hoffmann Reicker – „Der geänderte Canaletto-Blick“ (Dresden 2013)

C) Michael Schmidt – „Die städtebauliche Entwicklung von Dresden – 1871 -1918“ (Dresden 2003)

D) Matthias Donath –  „Engel im Hausflur“ (Dresden 2009)

E) Georg Ernst – Notizen zum Wolfshügel in der Heide (auf „blaues Schwein“ abgezogene maschienenschriftliche Matize) ca. 1960

F) Dresdner Stadtlexikon – online Variante, abgerufen am 23.01.2019

 

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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