Der Eine fragt

Freiheit – Fotocollage von Wiseman (Danke für die Genehmigung zur Verwendung)

Der Eine fragt

Der eine fragt: Was kommt danach?

Der andere fragt nur: Ist es recht?

Und also unterscheidet sich

Der Freie von dem Knecht.

(Theodor Storm)

Der Sinnspruch von Theodor Storm ist bekannt. Und seit er veröffentlicht wurde wird darüber gestritten wie er auszulegen sei. Z.B. ist diese Interpretation lesenswert:

https://norberto42.wordpress.com/2010/09/04/storm-der-eine-fragt-interpretation/

 

Aber ich glaube, Storm ging es nicht um das Ergebnis, sondern um das Ringen darum. Denn für beide Interpretationen, wer der Freie und wer der Knecht ist, lassen sich Beispiele finden. Das sei etwas ausgeführt.

Hätte Henning von Treskow (und viele haben in der Zeit so gefragt!) gefragt „Ist es recht?“ Dann hätte er den „Aufstand des Gewissens“ nicht wagen dürfen. Denn für alles gab es im Dritten Reich ein Gesetz, eine Verordnung eine Anweisung . Aber er fragte: „Was kommt dannach?“ Lassen wir Ihn selbst antworteten:

„Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“

Umgekehrt kann man gut argumentieren, dass das Handeln, der Eidbruch egal wie moralisch edel die Motive sein mögen, die Todesstrafe nach sich ziehen mussten. Das Recht sah es so vor und wo das Recht muß abstrakt über allen anderen Erwägungen stehen (Hitlers Getobe lasse ich mal außen vor). Das „Dannach“ ist nachrangig nach der Gültigkeit des Rechtes. (ich verzichte hier mal auf die „Rechtsstaat-Diskussion“).

Ich denke es wird deutlich was ich meine: es gibt nicht „die“ Antwort. Wir müssen darum ringen. Und durch das Ringen um die richtige Antwort, werden wir zu moralisch besseren Wesen.

„Dolor docet nos, sed timor nos commovet“ (Seneca in „Mächtiger als das Schicksal“)

Dank eines Geburtstagsgeschenkes konnte ich heute das obigen Zitat – das auf Deutsch heißt: „Schmerz lehrt uns, aber Entsetzen treibt uns an“ verifizieren. Ich kannte das Zitat  schon länger war aber mit der Zuschreibung wegen eines Pseudozitates vorsichtig. Der Spruch ist in der abgewandelten Form: „Lernen durch Schmerz, Motivation durch Entsetzen“ bei der Bundeswehr beliebt.  Es ist von dem von mir verehrten römischen Philosophen Seneca!

„Der Weg in die Unfreiheit ist gepflastert mit Moral und hehren Vorsätzen…“

Das Zitat taucht ab und an bei Diskussionen im Internet auf. Sei es in Kommentaren, auf Postkartenvorschlägen, in Forenbeiträgen oder anderen Äußerungen.

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