Betreutes Fahren

Betreutes Fahren

Ich hatte Anlass mir ein Auto zu mieten um die australische Freundin meiner Schwester am Flughafen in Prag abzuholen. Doch es geht nicht um sie und auch nicht um das Land der Kängurus. Es geht um das Auto. Eigentlich wollte ich einen VW Passat, damit kann man auch als länger Mensch ordentlich fahren ohne gleich bei allen Langfinger wässrige Lippen auszulösen. Doch ich bekam ein Upgrade auf eine nietnagelneue C-Klasse von der Vermietungsfirma spendiert.

An fremde Autos gewöhne ich mich gut, aber dieses Auto hat mich genervt und auch nach 400 gefahren Kilometern war es mir wesensfremd. Wie das kommt? Davon will ich erzählen.

Ich habe das Auto in der Dämmerung übernommen und da braucht es notwendigerweise Licht, logisch den Lichtschalter zu betätigen. Nur hat dieses Auto eine Lichtautomatik welche die manuelle Wahl überschreibt. Ziel ist es eigentlich, dass die Lichtautomatik dafür sorgt das man immer adäquat beleuchtet fährt. In der Dämmerung fahre ich recht zeitig mit Licht, diesmal fuhr ich mit einer Art trägen Blinklicht on/off/on. Nicht nur das meine manuelle Vorwahl überschrieben wurde, das Auto meinte zu wissen wann genügend Licht noch da ist um auf Beleuchtung zu verzichten, im nächsten Moment änderte es seine Meinung. Besonders ärgerlich ist die Eigenschaft des Headupdisplay sobald man ausserorts oder in einem Tunnel ist, abzudunkeln. Soll jetzt der Beifahrer mit der Beifahrerin schmusen oder was?! Gerade beim Wegfall der äußeren Leuchtquellen benötige ich kläre helle Anzeigen entweder als klassische Instrumente oder gern auch als Headup aber bitte klar und gut zu erkennen.

Aber das ist nicht das einzigste Helferlein. Egal ob vorn oder hinten, links oder rechts es gibt Kollisionswarner welche laut aufquäcken wenn man (nach Meinung des Helferleins) zu nah an der Leitplanke fährt, zu dicht am Vordermann usw. Und nicht nur das die Helferlein anschwellen quicken, nein sie greifen auch ein und nehmen Gas weg! Das kann man zwar mit erneuten drücken auf das Gaspedal überschreiben aber man verliert beim Überholvorgang wertvolle Zeit. Überhaupt: fahren ist immer ein einschätzen von Situation, eigenem Können und Erfordernissen. So gut gemeint die Helferlein sind: ich bin noch immer selber tätig, hellwach und konzentriert fahren ist: tun, aktives handeln. Betreuten Fahren kann ich weder etwas abgewinnen noch finde ich es zielführend, es nimmt dem Menschen die Verantwortung ab in dem es bessere Einsicht der Notwendigkeit suggeriert, mithin ihm Verantwortung entzieht und ihn in letzter Konsequenz entmündigt. Betreutes fahren? Nein Danke!

Nachtrag: eine kleine Recherche brachte zu Tage: ein Unfall den die Helferlein verursachen fällt voll auf den Fahrer zurück. Sie suggerieren eine Sicherheit die es nicht gibt.

Also: Bleibt mir weg mit dem betreuten Fahren!