Chicken of the Woods

Schwefelporling an einer Robinie

Bei Pilzen denken die meisten an den Herbst. Doch ich will hier über einen Pilz sprechen der bereits ab Mitte April eine leckere Mahlzeit verspricht…Ich rede vom Schwefelporling. In Nordamerika nennt man ihn auch „Chicken of the Woods“. Gerade paniert ist er geschmacklich genauso lecker wie paniertes Hühnerfleisch. Man kann ihn – in dieser Form serviert – durchaus für ein etwas merkwürdiges Hühnerfleisch halten.

Wie so oft bin ich durch Zufall zu diesem Beitrag gekommen. Gestern Abend, ein schwühlwarmer Abend, kurz bevor das Unwetter Erleichterung brachte bin ich spazieren gegangen. Und da leuchtete mir am Rande des Steigerwaldes an einer Robinie etwas gelb entgegen. Ganz ohne Zweifel ein Schwefelporling. Ich konnte nicht nah genug um ihn zu ernten heran gelangen., ein stacheldrahtverstärkter Metallzaun hinderte mich. Aber das war auch nicht schade, denn von einer Robinie ihn zu ernten hätte ich mir reiflich überlegt. Der Schwefelporling ist ein parasitärer Baumpilz, d.h. er bezieht seine Inhaltsstoffe auf dem lebenden Holz des Baumes. Die Robinie enthält das nach ihr benannte Gift Robin und  Akaziin sowie auch Siringin. Mit Schwefelporlingen von Robinien und noch viel mehr von Eiben sind Vergiftungen bekannt. Nun ist die Giftkonzentration bei der Robinie im Frühjahr recht niedrig Archäologisch/ethnologisch ist der Verzehr von Wurzeln der Robinie, im Spätwinter, durch die „first nations“ nachgewiesen. Trotzdem würde ich es nicht darauf ankommen lassen.

Der Schwefelporling ist an Laub- und Nadelbäumen zu finden. Bevorzugt an solchen mit dunklen Kernholz (eben z.B. der Eibe, Eiche, Robinie, den meisten Obsthölzern). Es gibt mehrere Unterarten, die aber alle essbar sind – sofern der Wirtsbaum nicht giftig ist ! Zu verwechseln (oder eigentlich auch wieder nicht) ist er mit dem zimtfarbenen Weichporling. Charakteristisch ist die leuchtend gelbe bis orange Farbe. Lässt diese Leuchtkraft nach ist der Pilz entweder zu alt zum Verzehr oder kein Schwefelporling.

An dieser Stelle eine Bitte: wenn Ihr Euch mit Pilzen nicht auskennt, dann geht erstmal ein paar Jahre zusammen mit einem erfahrenen Pilzsucher in den Wald und beherzigt die Regel: im Zweifel „Finger weg vom Pilz“! Lieber ein leerer Korb als ein voller Sarg!

Essen kann man nur die jungen, weichen, fleischischen Exemplare. Man merkt sehr gut beim Anfassen ob der Pilz noch weich ist und damit essbar oder schon angefangen hat zäh bis hart zu werden. Ohnehin schmecken am besten die äußeren Zonen des Fruchtkörpers. Mein Erfahrungswert ist, nur knapp die Hälfte des Fruchtkörpers kann man verarbeiten. Da der Fruchtkörper gut und gerne 5-10 Kilo wiegt ist das nicht dramatisch. Ein Pilz gefunden und die Familie wird satt.

So hier jetzt zwei Rezepte:

Der erste Klassiker

Schwefelporling nicht zu grob (der Pilz ist ein Baumpilz und schrumpft daher in der Pfanne nicht so sehr wie andere Pilze) schneiden. In Butter mit gehackter Zwiebel anbraten. Sobald er Wasser verliert, mit geschlossenem Deckel schmoren und nach ca. einer Viertelstunde in der offenen Pfanne nochmal braten. Mit Salz, Pfeffer und Kräutern abschmecken – fertig!

Der zweite Klassiker – Schwefelporling im Backteig:

Material

1 -2 Eier, Salz, Mehl und Stärke (im Verhältnis 50/50 mischen), Wasser in der gleichen Menge wie Mehl und Speisestärke, Backpulver, Öl zum Braten

Zubereitung

Für den Teig das Salz, Mehl, Speisestärke und Backpulver mischen. Das Wasser und das Ei zugeben und zu einem glatten Teig rühren. Den Teig 15-30 Minuten ruhen lassen, damit das Backpulver arbeiten kann.

Das Sonnenblumenöl in einen Topf geben und heiß werden lassen.

Den Schwefelporling putzen und  schneiden.

Die einzelnen Pilzstückestücke im Teig wälzen und im Sonnenblumenöl frittieren.

Abtropfen lassen – fertig!

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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