Das Bild von Europa am 21.10.2016

Der Verkehr nach und von Europa am Vormittag des 21.10.2016
Der Verkehr nach und von Europa am Vormittag des 21.10.2016 (Quelle: www.marinetraffic.com)

Das was auf den ersten Blick wie eine schöne künstlerisch gestaltete Landkarte aussieht ist eine graphische Momentaufnahme des Verkehrs von und nach Europa.

Es zeigt die Abhängigkeit unserer Zivilisation von der Schiffahrt.

Es zeigt die Gefährdung unserer Küsten durch Ölaustritt und Schiffshavarien.

Es wirft Fragen auf, nach der Sicherung unserer Seewege gegen Krieg und Terror.

Es wirft die Frage auf, was passiert wenn dieser Transportweg erschöpft ist (schon jetzt gibt es in den roten Gebieten Seestraßen die nach Richtung geordnet sind und wo die Schiffe wie an einer Perlenkette aufgereiht hintereinander fahren)

Und es bleibt trotzdem ein ästhetisches Bild!!

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

10 Gedanken zu „Das Bild von Europa am 21.10.2016“

  1. Zu dem Thema (also Bedeutung, Umfang und Probleme der Containerschiffahrt) lief vor einigen Tagen im Ersten eine etwas reißerische und tendenziöse, aber doch informative, wohlrecherchierte und aufwendig produzierte Doku, leider spätnachts. Titel: „Seeblind“. Länge: 90 min. Sie ist noch in der Mediathek zu finden. Paßt sehr gut zu Deinen Aussagen und auch zu dem Bild.
    Jäp, hübsche Graphik!

    1. Hallo Harki,
      ich habe mir heute “Seeblind” angesehen. Ich habe daraus ein paar interessante Fragen mitgenommen (z.B. verbrennendes Schweröl ).
      Ich würde Deiner Einschätzung zustimmen, bis auf den Punkt “wohlrecherchiert”. Ich bin ja studierter Logistiker (auch wenn ich seit 20 Jahren artfremd arbeite). Zwei Punkte an denen ich definitiv weiß das sie falsch sind:
      1. Die ersten seetauglichen Container hat die US Army im WK II entwickelt um effizient die enormen Nachschubmengen von Kontinent zu Kontinent zu transportieren. Das waren stahlverstärkte Kisten von denen je 4 auf einen Militärlaster passten, über ein spezielles System (ähnlich dem heutigen) konnten bis zu 20 übereinander gestapelt werden. Es gab drei Größen die modular waren im Faktor 4. Also in eine große Kiste gingen 4 mittlere in die je 4 kleine Kisten gingen.
      2.Frachtpapiere/Manifest: die Versicherer prüfen stichprobenhaft diese Erklärungen/Container, sonst wäre dem Versicherungsbetrug Tür und Tor geöffnet. Auch gibt es durchaus ein Warnsystem das den Versicherern anzeigt ob ein Versender einen untadligen Ruf hat oder zweifelhaft ist. Die großen Reedereien werden Fracht von zweifelhaften Versendern nur nach Kontrolle annehmen. Das Zusammenspiel der Versicherer und der Reeder geht übrigens auf das 17. Jh. und die Niederländer zurück. Natürlich mit krimineller Energie lässt sich hier immer ein Weg finden. Das ist aber teuer und lohnt sich vielleicht bei Kokain oder Waffen, ist aber -glaube ich – kein allgemeines Phänomen. Hauptproblem sind hier nicht die 80% von den Großen kontrollierten Reedereien, sondern die kleinen oft in BRIC Staaten beheimateten Reedereien. Oft wird dort auch unversichert versendet.
      Also grundsätzlich ein wirklich interessanter Bericht, bei Fakten daraus würde ich immer validieren wollen. An den grundsätzlichen Fragestellungen gibt es nichts zu zweifeln und diese passen in der Tat zu meiner Grafik. Nochmals: Danke für den Hinweis!

      1. Angtarion, nur kurz und in Eile: danke für die Reaktion und vor allem für die Infos!

        Punkt 2 kann ich nur zur Kenntnis nehmen – keine Ahnung von der Materie. Umso mehr nochmals: Spasibo bolschoje! 🙂 Zu Punkt 1: Daß es da im 2. WK bei den Amis ein Vorgänger-System zu den McLean’schen TEU-Containern gegeben hat, wird in dem Film aber doch zumindest erwähnt, nicht? (Aus dem Gedächtnis…) Zur Geschichte des TEUs gab es übrigens im April dieses Jahres ein gelungenes WDR-ZeitZeichen. Titel: „Erstes Containerschiff verläßt den Hafen von Newark“, 24.4.2016 [60 Jahre], Länge wie immer bei den Zeitzeichen: 15 Minuten. Autor: Marko Rösseler. Das ist auf deren Website noch zu kriegen/hören. (Ich würd’s auch gerne verlinken, aber C&P geht hier leider nicht. 😉 )

    2. Habe mir Doku auch gerade mal angesehen. Es ist wirklich erschreckend, was alles auf’s Spiel für den vermeintlichen Wohlstand gesetzt wird.

      Die Grafik ist dafür dann eine wirklich faszinierende Darstellung des Schreckens.

      Wenn man sich die Weltkarte davon ansieht, erinnern mich die grünen Markierungen an die Darstellung von Muskelsträngen. Im übertragenen Sinn könnt es ja auch passen, denn ohne die Schifffahrt ist ein globales Zusammenspiel in der Wirtschaft leider gar nicht mehr vorstellbar.

      1. @ JLFMB

        Jäp, das mit den Muskeln scheint mir ein schönes Bild! 🙂

        Ich habe übrigens mal irgendwo im Radio (vermutlich auch in den WDR-ZeitZeichen) gehört, daß es billiger sein soll, einen Container von Singapur nach Hamburg zu bringen als von Hamburg nach Zürich…

          1. Jau, danke für die Bestätigung!

            Übrigens noch zu „Seeblind“: eine Stelle ist mir als wirklich blöd aufgefallen. Und zwar die, in der Autor versucht, in einen Containerhafen zu gelangen und vom Zerberus am „Werkstor“ zurückgewiesen wird, weil er weder Werksausweis, noch Drehgenehmigung, noch Einladung, noch sonstwas vorzuweisen hat. Das wäre ihm hier bei der Conti oder dem VW-Werk und in jeder Mittelstandsklitsche zwischen Lissabon und Wladiwostok natürlich ganz genauso gegangen. Typisch journalistischer Größenwahn: „Ich hab einen Presseausweis, ich darf das!“

          2. Mir auch!!! Zumal genau diese Sicherung verhindert, dass Ware ausgetauscht wird etc, also ein Argument gegen die Aussage “Keiner weis was transportiert wird”. An dem Punkt hat auch der Käpten im Film gelogen. Das Protokoll von Visby und das von Haag wurden in § 643 HGB überführt dort heißt es über den Inhalt des Konossoments unter Ziffer 8 “die Art der an Bord genommenen oder zur Beförderung übernommenen Güter, deren Maß, Zahl oder Gewicht, ihre Merkzeichen und ihre äußerlich erkennbare Verfassung und Beschaffenheit”. Und da mit Übergabe des Konossoments an den Kapitän er dafür haftet, genau das auch abzuliefern, ist bei seriösen Reedereinen die Motivation zur Kontrolle und Sorgfalt gegeben.

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