Der Stern von Bethlehem

Paul Hey – “Der Stern von Bethlehem” Künstlerpostkarte

Dieser Artikel ist von der großen Konjunktion die am 21.12.2020 zu beobachten war inspiriert. Mir ist bewusst das es unzählige Theorien dazu, was der Stern von Bethlehem war, gibt und dies nachfolgende  ist lediglich meine persönliche Meinung.

Was der Stern von Bethlehem war hat die Menschen im Abendland beschäftigt. Dabei steht man vor zwei Problemen. Das erste ist wann hat das Ereignis tatsächlich stattgefunden? Beda verenabilis (ein im 8 Jh. In Northumberland lebender Benediktiner) hat zwar in bewunderungswürdige Art und Weise das Jahr von Chrisuli Geburt fast richtig berechnet (die Abweichung beträgt 4 bis 6 Jahre), aber schon er ging von einer Geburt um die Wintersonnenwende aus.

Die frühen Christen waren sich  nicht eines bestimmten Zeitpunkte bewusst, er war ihnen in der Gewissheit des nahen Reiches Gottes egal. Und als sie nach 50 realisierten das “nah” (siehe: “Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen” Lukas 1 (15) ) in göttlichen Zeitmaßstäben eine irdische lange Zeit sein kann, war die Erinnerung vage geworden. Beim Formulieren der Evangelien ging es zudem um Rechtfertigung und Begründung des zweiten Bundes.

Für die Zuordnung zu einem Himmelsereignisses bräuchte man zumindest jedoch den Monat.

Sidestep: leider ist die “Weltäerea” des Pandorus von Alexandrien verloren gegangen. Er soll eine konkretere Verortung vorgenommen haben und könnte noch konkretere Berichte gekannt haben. Spätestens mit der Eroberung von Konstantinopel 1453 ist sie verloren gegangen.

Sidestep II:  das spricht gegen den Dezember als Christi Geburtstag:

  1. Auch in Israel sind im Dezember keine Herden auf den Feldern, auch dort ist Winter und es gibt kein frisches Grün.
  2.  die römische Administration hätte eine Volkszählung in den Sommer gelegt. Zumindestens tat sie das in anderen dokumentierten Fällen. Auch waren sie nicht so sinister für einen Zensus die Untertanen an den Ort ihrer Herkunft reisen zu lassen. Wichtiger war der Ort wo sie lebten, den da sollten sie Steuern zahlen. Und das war der See Genezareth. Die Bibel liefert auch offenherzig die Begründung warum sie das Geschehen verlegt..” Denn er war aus dem Hause und Geschlecht Davids” es ging also um Rechtfertigung und den Anspruch gegenüber den Juden. David kommt nun mal aus Nazareth. Dazu muss man wissen das bis ca. 200 n.Chr. die Grenzen zwischen Juden und Christen ziemlich fließend waren.

Der Dezember Termin lässt sich mit dem römischen Fest Sol Invictus erklären. Mit Konstantins Festlegung auf Dezember ließ sich das Fest das auch  von seinen germanischen Truppen gefeiert wurde (Wintersonnenwende) vereinnahmen.

Das andere Problem ist: gab es tatsächlich ein Ereignis oder ist es, was nicht wenige Theologen glauben, eine spätere Zutat zur Heilsgeschichte um seine Bedeutung zu steigern? Immerhin ist der “Stern Davids” die Ankündigung das ein König der Juden geboren wurde und somit ein Zeichen das den Anspruch des neuen Bundes unterstreicht.

Nähern wir uns einmal der Frage anders, gab es ein astronomisches Ereignis in den Jahren 4-7 v.u.Z das so signifikant ist das es besonders hervorsticht?

Leider gibt es mehrere. Zum einen sind mehrere Konjunktion heller Sterne (also das sie von der Erde aus gesehen, in einer Linie stehen und daher als außergewöhnlich heller Stern wahrgenommen werden) berechnet worden. Und teilweise in der Antike auch  bezeugt. Genau genommen sind es die Konjunktion Saturn/ Jupiter (der Saturn galt den Sterndeutern des Ostens als Planet Israels der Jupiter als Königsplanet schlechthin) und Venus/Jupiter Auch eine Nova ist von Astronomen berechnet worden.

Der Halleysche Komet kommt eher nicht in Frage da er mit 11/12 v. Chr. etwas außerhalb des möglichen Bandes liegt. Jedoch gibt es Berichte über zwei andere Kometenereignisse. Die Häufung ist auffällig.

Ich persönlich tendiere dazu, daß den frühen Christen erinnerlich war das da ein Zeichen am Nachthimmel  gestanden hat, aber in der Erinnerung mehrere Ereignisse verschmolzen sind. Wie schon ausgeführt waren die Ereignisse bereits vage geworden als die Evangelisten daran gingen ihre Aufzeichnungen zu verfassen. Zusammen mit der massiven Bedeutung welche die Bibel Sterneneignissen einräumt wurde daraus ein Zeichen. Die Weisen aus dem Morgenland dürften dann tatsächlich eschatologisches Beiwerk sein.

Geht man davon aus das auch der große Zensus von Querenius  nur noch vage in Erinnerung war, erklärt das seine Erwähnung. Und das sei erwähnt, es gibt plausible Gründe die gegen eine Verbindung von Christi Geburt mit dem Zensus sprechen. Solange Herodes König (man denke an den Knabenmord!) war würden die Römer wohl kaum einen Steuerzensus in seinem Reich durchführen. Dafür hatten sie ja schließlich Unterkönige wie Herodes.

Solange wir nicht irgendwo detailliertere Aufzeichnungen finden, werden wir es nicht entscheiden können, aber jeder Blick an den winterlichen Sternhimmel erinnert uns an das Ereignis.

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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