Die europäische Eibe (Taxus baccata)

Eibenwald – Künstlerpostkarte erste Hälfte des 20.Jh.

Der in Gärten und Parks beliebte immergrüne Nadelbaum ist als sehr stark giftig in allen Teilen eingestuft. Nur der leuchtend rote, fleischige Samenmantel, der den giftigen Samenkern umhüllt, ist ungiftig. Da er süßlich schmeckt, stellt er eine gefährliche Verlockung für neugierige Kinder dar.

Die Eibe (Taxus baccata) ist ein Überbleibsel aus der Flora des Tertiärs, das vor 65 Millionen Jahren begann.Die Eibe ist der älteste noch wachsende Nadelbaum. Und für einen Nadelbaum recht untypisch (keine Zapfen, Stockausschläge) deswegen sehen einige Wissenschaftler sie nicht als Nadelbaum sondern als eigene Klasse an.

Sie galt schon im Altertum als Todesbaum und war den Todesgöttern geweiht. Für tödliche Extrakte wurden sowohl die Kerne als auch die  Nadeln verwendet. Pilinus d.Ä. erwähnt auch die Verwendung der Kerne in Mahlzeiten zum Zwecke der Ermordung.  Heute werden Extrakte aus jungen Nadeln als Medikament gegen einige Krebsarten eingesetzt. Auch ist aus der traditionellen Medizin die Nutzung der Eibe als fiebersenkendes Mittel bekannt, allerdings auch als ein Mittel das nur wer eine physisch starke Konstitutionen hat überleben. Vor einer Selbstmedikation wird daher dringend gewarnt. Bei falscher Dosierung besteht Lebensgefahr. Kreislaufversagen und schwere Herzrhythmusstörungen sind typische Symptome. Bei ersten Vergiftungsanzeichen, wie Übelkeit, Schwindelgefühl, Leibschmerzen, Bewusstlosigkeit, Pupillenerweiterung sowie flacher Atmung oder gar Atemlähmung sollte sofort ein Arzt hinzugezogen werden. Für einen Erwachsenen können etwa 50 Gramm Nadeln tödlich sein. 

Viele Schädlinge machen einen Bogen um die Eibe, nicht jedoch alle. Fraßschädlingen wie den Larven und Käfern des Dickmaulrüsslers machen die Ester- Alkaloide , die toxischen Inhaltsstoffe der Eibe – nichts aus. Vögel, die es auf den Samenmantel abgesehen haben, scheiden den Samenkern unversehrt aus und sorgen so für Verbreitung. Unsere Haustiere jedoch haben den Instink für die giftigkeit verloren. Jedes Jahr sterben Hunde und auch immerwieder Pferde an dem giftigen Baum.

Der typische Eibenstandort ist bei uns der Hang von engen eher nassen Gebirgstälern. nIcht jedoch der Grund, denn Staunässe verträgt sie garnicht gut. Aber auch auf trockenen Standorten kommt die Eibe fort, wächst da aber langsamer.

Das Holz der Eibe ist ein wertvolles, gesuchtes Rohmaterial für Kunst- und Drechslerarbeiten, so dass sie in der Natur immer seltener geworden ist.

Oft ließt man in dem Zusammenhang, dass die Eibe durch die Verarbeitung zu Bögen rar geworden sei, doch das kann nur zu Teilen stimmen, denn nur gerade gewachsene nicht mehrstämmige Bäume eignen sich dafür. Wer Eiben kennt weiß wie oft sie knorzig und krummwüchsig sind. Es lohnt sich einmal näher auf die lange Geschichte der Eibe zu schauen. Pollenanalysen lassen uns Jahrhunderttausende zurückschauen. Die Idealen Bedingungen findet die Eibe seit dem Ende des Tertiär nicht mehr vor. Sie war aber bedeutender Teil der voreiszeitlichen Flora. Die Gletschervorstöße überdauerte sie – wie andere Pflanzen auch – südlich der Alpen. Von dort gibt es nur zwei Wege zurück den Pflanzen “wandern” können: durch die Burgundische Pforte oder die Pannonische Tiefebne. Dadurch verarmte die Flora nördlich der Alpen, drn nur wenige Pflanzenarten schafften diesen Sprung. Damit begann auch der Aufstieg der Buche, welche sich sehr gut durchsetzt und andere Baumarten verdrängt. Unter anderem auch die Eibe. War noch in den Interglazialen die Eibe bestimmende Baumart, wurde das mehr und mehr die Buche verdrängt. In wieweit hierzu die Rodungstätigkeit des Menschen seit dem Neolithikum  beigetragen hat, wird in der Forschung (wie auch die Frage ob das die Ursache des “Buchenlandes” Deutschland ist) diskutiert. Fakt ist: in den Pollenanalysen ist die Eibe seit dem Ende der Eiszeit rückläufig und nicht erst seit dem Mittelalter.

N In einigen Tälern der fränkischen Schweiz und der Oberpfalz stehen die letzten kleinen Eibenwälder. Vereinzelt sind aber in vielen Mittelgebirgen alte und junge Exemplare zu finden. Unter anderen kenne ich eine „Tausendjähriger Eiben“ am Hang des Müglitztales bei Schlottwitz.

Wie alt Eiben werden können ist strittig Denn es gibt keine flächendeckende Untersuchung dazu. Das Alter einiger alter Eiben in Deutschland (auch einiger „Tausendjähriger Eiben“ ) wurde mit 400 bis 600 Jahren bestimmt. 1000jährige Eiben wie sie der Tourismus anpreist sind also selten tatsächlich zu finden. Aber das heißt nicht, dass sie gar nicht gibt, denn wie gesagt: es gibt keine flächendeckende Untersuchung und gerade in England, wo in den Gärten einiger normannischer Burgen, sehr alte Exemplare stehen, fehlen Untersuchungen (Auskunft des Forstbotanischen Gartens Tharandt). Die europäische Eibe und ihre sechs engen Verwandten kommt in Europa, im Kaukasus, in Kleinasien und dem Nordiran, in Nordwestafrika und auf Madeira vor.

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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