Dörfer die es nicht mehr gibt

Brennendes russisches Dorf – Aufnahme einer Propagandakompanie der Wehrmacht – Quelle: Bundesarchiv Lizenztyp: Wiki Commons free

Ich muss etwas ausholen wie ich zu diesem Thema gekommen bin. Vor wenigen Wochen hat der Innenminister eine Gruppierung namens “Sturm 44- DD” verboten. Eine Gewalt bereite Neonazigruppierung, wie es hieß. Nun ist DD das Autokennzeichen meines Wohnortes. Also interessierte ich mich mehr. DD steht aber in dem Fall für Division Dirlwanger. Ein Name der mir als der eines der übelsten Verbrecher in SS Uniform mir schon untergekommen ist. Ein Mann der so übel war, dass selbst die Gerichte des Dritten Reich ihm in einem Vergewaltigungsprozess, trotzt Druck staatlicher Stellen, nur einen drittklassigen Freispruch gewährten. Ansonsten war der Film “Geh und sieh” aus der späten Sowjetunion die einzigste Assoziationen. Der Film ist nur etwas für starke Gemüter und der beste Antikriegsfilm den ich kenne. Dort werden im Abspann 628 von uns Deutschen in Weißrussland niedergebrannt Dörfer (und ihre ermordeten Bewohner) erwähnt. Und ich erinnerte mich an die Diskussionen Ende der 80ziger Jahre. Hinter vorgehaltener Hand haben damals Teilnehmer am II WK darauf hingewiesen das die Rote Armee auf ihrem Rückzug selber viele Dörfer angesteckt hätte. Nun wollte ich es genau wissen und habe Bücher herangezogen.

Es ist richtig das Stalins Befehl vom 17. November 1941 (auch Fackelmännerbefehl genannt) analog des deutschen Nero Befehl 1945 war (Eine Neonazifälschung ist jedoch die darin angeblich enthaltene Passage zur Verwendung deutscher Uniformen dabei.). Richtig ist auch das sie in Größenordnung Dörfer niedergebrannt und auch teilweise ihre Bewohner ermordet hat. Von den NKWD Massakern seinen nur Lemberg und Kiew erwähnt. Aber: geschätzt Dreiviertel der Dörfer blieben intakt. Fakt ist aber auch, dass wir Deutschen im Rahmen der tatsächlichen oder imigären Partisanenbekämpfung sehr viele Dörfer niedergebrannt haben. Pure Mordlust kann dort teilweise nicht abgesprochen werden. Oder wie sonst will man es nennen wenn die Dorfbewohner in einer Scheune bei lebendigem Leibe verbrannt werden?

Leider ist aber auch Fakt das die Partisanen mit Dörfern die nicht kooperieren wollten ähnlich verfuhren (und hier dabei tatsächlich auch in deutscher Uniform auftraten). Beim Rückzug haben wir dann nochmal Dörfer angesteckt, ARLZ „Auflockerungskommissar“ hieß der dafür zuständige Offizier im Stab. So gab es nur noch weniger die Hälfte aller Dörfer von 1939. Und dann kamen die Smersch. Dörfer die zu unbeschadet davon gekommen waren standen im Verdacht kollabiert zu haben. Wieder brannten Dörfer und wurden ihre Bewohner ermordet. Wieviel Dörfer es am Ende noch gab kann man schwer sagen, da schon bald das Thema ideologisch überlagert wurde. Sicher waren es nicht mehr als ein Drittel. Deutlich wurde mir beim lesen, egal was die Dörfler taten es gab immer jemanden der bereit war sie dafür umzubringen! Und das ist das eigentliche Drama, dass der einfachen Leute die dort hinein gerieten. Sie wollten nur das bisschen kleines Glück für sich doch dann kam SS, NKWD, Smersch oder oder.

 

Benutzte Literatur:

CHRISTIAN HARTMANN/JÜRGEN ZARUSKY  zum „Fackelmännerbefehl“ in Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 2000 Hefrt 4

Alexander Brakel zum Partisanenkrieg in Weißrussland “ in Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 2007 Hefrt 3

Bernhard Chiari „Alltag hinter der Front. Besetzung, Kollaboration und Widerstand in Weißrußland 1941–1944 Schriften des Bundesarchives 1998

Bernd Wegner in mehreren Aufsatzsammlungen des Militärgeschichtliches Forschungsamt der Bundeswehr

Jörg Baberowski –„Verbrannte Erde – Stalins Herrschaft der Gewalt“, Beck 2012

Timothy Snyder „Bloodlands – Europa zwischen Hitler und Stalin“ DTV 2013

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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