Einen Zahn zulegen

Kochecke im Hochmeisterpalast in Marienburg

 

Die Aufforderung einen Zahn zuzulegen meint umgangssprachlich immer eine deutliche Erhöhung der Geschwindigkeit egal worauf gerade das Bemühen gerichtet ist. Soweit besteht Einigkeit.

Keine Einigkeit besteht hingegen bei der Frage wo diese Formulierung herkommt.
Die erste Deutung ist  das Buch von Kurt Krüger-Lorenzen: „Deutsche Redensarten und was dahinter steckt.“ 
 „Der Hinweis auf das Zahnradgetriebe des Motors bringt uns einer richtigen Erklärung der Redensart zwar recht nahe, ursprünglich stammt diese Wendung jedoch aus der Fliegersrpache des Ersten Weltkrieges: In den kleinen primitiven Jagdmaschinen von 1914 hatte der Flugzeugführer, um Gas zu geben, eine auf der Unterseite mit Zähnen versehene Stange. Diese wurde durch eine einfache Feder in ihrer Halterung nach unten gedrückt und dadurch festgehalten. Schob man die Stange von sich weg nach vorn, so gab man mehr Gas, man legte »einen oder mehrere Zähne zu«. Bald nach dem Start, der mit Vollgas erfolgte, mußte ja zur Schonung des Motors eine leichte Drosselung durch »Zurücknahme des Gases« erfolgen. Wenn also ein Flugzeugführer – etwa im Luftkampf – mit Vollgas und dabei auch noch abwärts flog (die Maschine »drückte«), so kam es zu besonders hohen Geschwindigkeiten, und das Flugzeug hatte einen tollen Zahn drauf!“
Plausibler erscheint mir die zweite Deutung:
Diese Redewendung entstand im Mittelalter als über offenen Feuer gekocht wurde und neben der Positionierung des Kochgutes am Rand oder in der Mitte des Feuers  lediglich über ein Regulieren der Höhe (in der das Kochgut über dem Feuer hing) die Wärmezufuhr und damit der Kochgeschwindigkeit erfolgen konnte. Dazu hingen von der eine Art grobes Sägeblatt an dessen Zacken die Töpfe eingehängt wurden. Je nach Höhe des Zacken war der Topf also näher oder ferner des Feuers. „Einen Zacken zulegen“ hieß also den Topf näher an das Feuer bringen und somit schneller kochen. Ein gutes Beispiel ist das oben abgebildete Beispiel aus der Marienburg in Westpreussen.
Warum erscheint mir die zweite Deutung plausibler? Nun die Jagdflieger des Ersten Weltkrieges war ein elitärer, verrückter Haufen. Es ist unwahrscheinlich das eine Redensart von ihnen es schnell in das Allgemeingut der Sprache geschafft hätte. Ich selber kenne aber zwei Romane aus den späten Zwanzigern („Heideglück“ und „Schellenberg“ beides Trivialliteratur die ich nur durch Zufall kenne) welche diesen Satz verwenden. Er muß also damals in weiten Kreisen verstanden worden sein. Das schließt m.E. nach die erste Deutung aus, selbst wenn man diese auf das Schaltgetriebe eines Kraftfahrzeuges übertragen würde.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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