Einige Anmerkungen zum Boxeraufstand

Die Hinrichtung der Boxer – Kunstpostkarte

Ich habe in den letzten Jahren mehrere Bücher von Teilnehmern der Kämpfe 1900 in China (ganz oder teilweise) gelesen. Dabei fiel mir die Differenz zu den gegenwärtigen Darstellungen auf. Das allein hätte mich noch nicht zu diesem Artikel bewegt. Aber im Oktober ist in einer großen deutschen Tageszeitung (die sich zugutehält besonders meinungsstark zu sein) ein Artikel erschien der so gar nicht passen wollte zu dem was ich gelesen habe. Ich habe an die Redaktion eine Mail geschrieben mit der bitte um Benennung der Quellen.  Eine Antwort bekam ich von einem Volontär. Der mir mitteilte man fuße hier auf einer Materialsammlung der chinesischen Botschaft. Diese dürfe er mir aber leider nicht zugänglich machen. Daher möchte ich hier den chinazentristischen Darstellungen einige Fakten aus er eingangs erwähnten Erinnerungsliteratur zum Boxeraufstand entgegenstellen.

Es ist nicht richtig das die Mission unter den Chinesen nur den imperialistischen Interessen der Kolonialmächte diente. Bereits seit Marco Polo gab es Missionare, die nach China gereist sind. Such eine Mission der indischen Thomaschristen ist zu mindestens in Ansätzen dokumentiert. Diese Deutung dient der Rechtfertigung der heutigen Unterdrückung der Christen in China.

Die Boxer haben mehrere hunderttausend Christen abgeschlachtet.

Ausgangspunkt des Boxeraufstandes ist zum Teil eine religiöse. Die chinesischen Christen weigerten sich eine nicht offizielle Abgabe zur Förderung der Buddhistischen Klöster zu leisten. Daraufhin kam es zu häufigen Morden an Christen wo ab einer gewissen Intensität die westlichen Botschaften bei Kaiserin Cixi intervenierten und Unterbindung der Morde verlangten.

Eine weitere Ursache ist in den Geheimgesellschaften Chinas zu sehen. Damit das ein offizieller Opiumhandel mit der Pekinger Konvention erzwungen wurde, fiel der illegale Opiumhandel durch den die Geheimgesellschaften sich finanzierten weg. Das verärgerte die Geheimgesellschaften sehr. Diese sind einerseits mit der Kaiserin Cixi vernetzt gewesen andererseits sind sie eng mit den Boxern verwoben gewesen. Ziel der europäischen Mächte war mitnichten China mit Opium zu fluten, sondern den regen Gebrauch, Mißbrauch des Opiums zu kanalisieren und – ganz klar – die Geheimgesellschaften zurück Zudrängen. Denn diese hatten mit auswandernden Chinesen ihre Netze bereits nach Nordamerika und Europa geschoben.

Die Boxer waren eng mit den Geheimgesellschaften verwoben und mitnichten eine primär soziale Bewegung. Die Bezeichnung als „Aufstand dunkler Mächte“ in dem Lied „55 Tage von Peking“ trifft es sehr gut.

Kaiserin Cixi hat sehr oft Dinge zugesagt, die sie entweder nicht halten konnte oder halten wollte. Ob sie eine schwache wankelmütige Person war oder eine ausgebuffte Intrigantin, die sich mit dem Boxeraufstand und der Reaktion der europäischen Mächte verkalkuliert hat, da gehen die Meinungen auseinander.

Im Gesandtschaftsvierte von Peking hatten mehrere tausend Christen Schutz gesucht. Die gleichen Nationen, die sich 1914 blutig an die Kehle fahren sollten, haben ohne sich übereinander zu erheben das Viertel gegen die Boxer erfolgreich verteidigt.

Wilhelm II seine Hunnenrede wurde von den vor Ort befindlichen Europäern genauso als fehl am Platze angesehen wie als nicht zielführend das wahllose Niederbrennen chinesischer Dörfer im Rahmen der Aufstandsbekämpfung. Angemerkt werden muss aber, dass innerhalb der Strafexpedition auch zielgerichtet Hochburgen der Geheimgesellschaften vernichtet wurden.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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