Einige Worte zur Weide

Dieser Rückschnitt erfolgte relativ spät. 5-8 Jahre früher wäre besser gewesen.

Anlaß zu diesem Beitrag ist die Diskussion zu dem Rückschnitt zweier Weiden im Titelbild. „Baumfrevel“ war da noch eine milde Vokabel der regelmäßigen Spaziergänger. Diese können für Ihre Meinung auch einen prominenten Fürsprecher anführen:

„Ist schlimm genug, dass so oft Bäume, die wirklich auf große Schönheit Anspruch machen können, durch Menschenhände und ewiges Behauen ganz um ihren freien und großartigen Wuchs gebracht werden. So ergeht es zum Beispiel den Weiden. Sie werden, wenn man sie frei und ungehindert wachsen lässt zu starken, hohen und malerischen Bäumen.“

Wilhelm von Humboldt

Man kann durchaus dazu eine Gegenmeinung vertreten.

Es gibt im nördlichen Mitteleuropa ca. 20 Weidenarten. Da die Weidenarten untereinander und mit der Pappel (die eine enge Verwandte ist) zum ungehemmten Bastardisieren neigt ist es schwer abzugrenzen was eine eigene Art und was nur ein Bastard ist. Die Wuchsformen reichen dabei vom niedrigen Strauch bis zum stattlichen Baum. Sie vermehrt sich sowohl als Samen als auch als Steckling (oft treibt vom Fluß angeschwemmtes Weidenholz ohne Hilfe aus). Weiden sind mit die am schnellsten wachsenden Bäume unserer Heimat.

Die Weiden sind typische Bäume der Weichholzauen. Also jenem Streifen an Flüssen und Bächen, der regelmäßig überflutet wird. Dabei sorgt die Überflutung für zwei Dinge, welche die Weiden benötigen: das Wasser trägt andernorts erodierten, nährstoffreichen Boden heran und räumt mit seiner Wucht ganze Streifen bis auf das steinige Sediment ab, welche dann als Geröll- und Kiesbänke offen liegenbleiben. Und beides benötigt die Weide: nährstoffreiche Böden um zu Gedeihen und stark besonnte Flächen um zu keimen (Lichtkeimer). Die Weide verträgt nasse Standorte – auch überwiegend überflutete Standorte – sehr gut. Die Weide kann unter idealen Bedingungen und Hilfe des Menschen 120 Jahre alt werden. Natürlich wird sie nicht so alt, denn die Weide ist ein schnell auseinanderbrechender Baum. Dabei wirkt die Überflutung der Auen und die dadurch hervorgerufenen Verletzungen des Baumes (z.B. durch Treibgut) und ihr schnellen Wuchs zusammen. Die Verletzungen bieten Pilzen und Bakterien Angriffspunkte und schaffen Hohlräume, der schnelle Wuchs schafft überlange gerade Austriebe, welche dem Wind als Hebel dienen und zum Auseinanderbrechen des Baumes führen. Deswegen ist der regelmäßige Rückschnitt zum Erhalt des Baumes wichtig. Früher erfolgte dieser Rückschnitt zur Gewinnung von Material für die Korbflechterei, von Zäunen und anderen Flechtwerken. So brutal der Rückschnitt aussieht, letzlich erhält er die Bäume!

Das Schicksal von nicht zurückgeschnittenen Weiden – der Zusammenbruch

Die Rinde der Weide ist seit der Jungsteinzeit ein Heilmittel. In der  Rinde der Weide wurde  der Wirkstoff des Aspirins das Salicin entdeckt. Er wirkt bei Fieber und Schmerzen. Zur Verwendung als Heilmittel nimmt man die 2-3 jährigen Zweige. Diese werden geschält und im Schatten getrocknet. Anschließend mit dem Mörser pulverisieren. Die Anwendung erfolgt als Tee. Es ist auch möglich aus der Rinde konzentriertere Auszüge mit Hilfe von Alkohol zu erstellen. Wer sich für die Anwendung als Heilmittel interessiert empfehle ich den Pahlow „Das große Buch der Heilpflanzen“. Manfried Pahlow war ein Apotheker mit großem Interesse an Heilpflanzen ohne esoterisch oder unwissenschaftlich zu sein. Anmerken möchte ich, dass ich Berichte aus der “Schlechten Zeit” nach dem 2. Weltkrieg kenne wo Weidenrinde tatsächlich als Heilmittel verwendet wurde und wirksam gewesen sein soll.

Die Schilderung der Wirkstoffe und ihrer Anwendungen — bereichert mit persönlichen Erfahrungen des Verfassers — stützt sich auf gesicherte pharmakologische und therapeutische Erkennntnisse und machen das Buch so wertvoll.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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