Gedanken im Angesicht des Kriegerdenkmales in Kesselsdorf bei Dresden

Ich laufe oft an dem Kriegerdenkmal in Kesselsdorf vorbei. Die Stimmung und das heutige Wetter erinneren an den 15. Dezember 1745 (auch wenn der Tag kälter war) und wieder geht mir die Trompete von Vionville durch den Kopf

Die Trompete von Vionville

              Sie haben Tod und Verderben gespien:
Wir haben es nicht gelitten.
Zwei Kolonnen Fußvolk, zwei Batterien,
wir haben sie niedergeritten.

Die Säbel geschwungen, die Zäume verhängt,
tief die Lanzen und hoch die Fahnen,
so haben wir sie zusammengesprengt, –
Kürassiere wir und Ulanen.

Doch ein Blutritt war es, ein Todesritt;
wohl wichen sie unsern Hieben,
doch von zwei Regimentern, was ritt und was stritt,
unser zweiter Mann ist geblieben.

Die Brust durchschossen, die Stirn zerklafft,
so lagen sie bleich auf dem Rasen,
in der Kraft, in der Jugend dahingerafft, –
nun, Trompeter, zum Sammeln geblasen!

Und er nahm die Trompet, und er hauchte hinein;
da, – die mutig mit schmetterndem Grimme
uns geführt in den herrlichen Kampf hinein,
der Trompete versagte die Stimme.

Nur ein klanglos Wimmern, ein Schrei voll Schmerz,
entquoll dem metallenen Munde;
eine Kugel hatte durchlöchert ihr Erz, –
um die Toten klagte die wunde!

Um die Tapfern, die Treuen, die Wacht am Rhein,
um die Brüder, die heut gefallen, –
um sie alle, es ging uns durch Mark und Bein,
erhub sie gebrochenes Lallen.

Und nun kam die Nacht, und wir ritten hindann,
rundum die Wachtfeuer lohten;
die Rosse schnoben, der Regen rann –
und wir dachten der Toten, der Toten!

Ferdinand Freiligrath
   

 

Das Gedicht was ich eingangs zitiere bezieht sich  auf ein Ereignis im Deutsch- Französischen Krieg. Es geht mir oft durch den Kopf wenn ich am Kriegerdenkmal in Kesselsdorf vorbei komme. Hier hat am 15 Dezember 1745 eine ähnlich brutale Schlacht getobt.

“…wusste zu stürmen die Kesselsdorfer Höhen” dichtete Theodor Fontane über den Alten Dessauer der hier siegt. Er entschied damit den Krieg zugunsten Preußen. Bei der grimmigen Kälte der Tage starben trotzdem die Verwundete noch auf den Feldern denn vor dem Sieg (durch einen Fehler der Sachsen) hatte er ähnlich wie in dem Gedicht mehr als 100 Jahre später, erst frontal die Stellung attackiert und viele seiner Soldaten sind im Geschützfeuer liegen geblieben. Nochmal 75 Jahre später lagen viele Männer aus Kesselsdorf und Umgebung in fremder Erde für den veblendeten Wahn des Kaisers und später der Nationalsozialisten als der Krieg hierher zurück kehrte. Im Mai 1945 tobten hier erbitterte “Endkämpfe”. An dem Sieger konnte es kein Zweifel geben. Mit Mord, Vergewaltigung und Brandstiftung genossen die sowje Soldaten ihren Sieg. Beim Bau der Umgehungsstraße vor einigen Jahren wurden wieder Opfer dieser Ereignisse gefunden. Und so steht für mich das Kriegerdenkmal auch stellvertretend für die zivilen Opfer, die sinnlos verheizen Lanzer, all die von beiden Seiten kaltblütig ermordeten denen keiner gedenkt. Wieviel wäre vielen erspart geblieben wenn nicht immer irgendwer nach Macht und Land giert..

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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