Katzensprünge – Von der Bienertmühle in Dresden-Plauen über den Hohen Stein zur Heidenschanze von Dresden-Coschütz

Auf schmalen Pfaden

Manchmal reicht die Zeit nicht um groß wohin zum wandern zu fahren. Man hat nur drei oder vier Stunden Zeit, dass Wetter lockt, man will raus. Zeit dafür Dinge zu erkunden die in der unmittelbaren Umgebung sind – eben nur einen Katzensprung entfernt.

Und so sind die Touren von denen ich hier schreibe alles kurze Dinger. Man staunt was so alles es zu entdecken gibt wenn man nur einmal loszieht. Dresden hat ein Umland in dem es viel zu entdecken gibt. Und das nicht nur auf quasi Parkwegen. Meine erste Tour führt uns dann auch gleich  in die Steilhänge des südlichen Weißeritztales. Und das wird eine Tour wo wir (zu mindestens einen großen Teil der Strecke) auf schmalen Pfaden hoch in den Klippen über dem Plaunschen Grund unterwegs sind.

Von daher:

Solides Wanderschuhwerk und Trittsicherheit sind ein Muss! Bei nasser Witterung sind die Pfade lebensgefährlich – bitte fern davon bleiben!  Wir werden uns überwiegend auf Pfaden bewegen die auch in der topographischen Karte im Maßstab 1:10.000 nicht verzeichnet sind. Beste Zeit sind die laublosen Monate, da ihr so am besten immerwieder überraschende Ausblicke genießen könnt.

Vorab: bitte hinterlasst immer wenn Ihr rausgeht bei einer zuverlässigen Person Eures Vertrauens folgende Informationen:

1.wo ihr hingehen wollt, 2. welchen Weg ihr nehmt, 3. wann ihr ungefähr zurück sein wollt und 4.ab welchen Zeitpunkt ein Alarm ausgelöst werden soll!

 So nun kommt mit!

Wir starten an der Mühle des Hofemühlers Bienert. Hierher bringt uns die S-Bahn oder die Busse. Doch wir wollen heute nicht in das Mühlenmuseum und auch nicht die Auferstehungskirche besichtigen. Dafür reicht jetzt die Zeit nicht. Wir unterqueren die Eisenbahnbrücke so das die Eisenbahn jetzt zwischen uns und der Vereinigten  Weißeritz liegt. Noch vor der Kirche wenden wir uns nach rechts und laufen am Gymnasium (das rechterhand liegt) vorbei.  Hinter dem Gymnasium gehen wir geradeaus (die Straße biegt nach links weg). Dort liegt  rechts eine Wiese (in der eine Sternwarte steht) und links eine Grundschule. Wir queren die Wiese vor der Sternwarte und gelangen so zur Hangkante und den Klippen des Plaunschen Grundes. Ab hier wird es abenteuerlich.

Auf schmalen Pfaden

Schmale Pfade führen uns an den Rand. Vorsichtiges, vorausschauendes Gehen ist angesagt. In manchen Passagen ist ein solider Wanderstock hilfreich.  Wir müssen den Weg immer wieder suchen. Manche Wege sind nur Stichwege zu romantischen Knutschplätzen der Teenager. Einzigste mögliche Wegbeschreibung ist: immer nahe am Abgrund bleiben. Weiter hinten, im sicheren Gelände, verläuft der offizielle Wanderweg. Schon bald stehen wir auf der ersten Klippe. Unter uns die Hegereiterbrücke und auf der gegenüberliegenden Talseite ist gut die geologische Struktur des Döhlener Becken zu erkennen. 

Auf den Klippen
In den Klippen blühende Schlehe

Weiter geht es auf schmalen Pfaden immer am Abgrund. Wir kommen an Stellen wo wir uns entscheiden müssen entweder ein bisschen zu klettern (was im Zweifel lebendsgefährlich ist – es geht gut 60 Meter in die Tiefe wo die Weißeritz am Fusse der Klippen fließt bzw. eine Eisenbahnlinie verläuft) oder ein kurzes Stück den offiziellen Weg zu nutzen und an der nächsten Gelegenheit wieder in die schmalen Pfade abzubiegen. Jeder muß hier nach seinen eigenen Fähigkeiten und seiner eigenen Risikoeinschätzung entscheiden. Im Zweifel bitte immer zur sicheren Seite hin entscheiden!

Die Pfade und Wegsuchen kosten uns Zeit und Kraft belohnen uns aber mit schönen Ausblicken, solche die nicht viele Menschen erleben.  Schließlich gelangen wir zum „Hohen Stein“. Hier lohnt es sich auf den offiziellen Weg zu wechseln und die Aussicht vom Aussichtsturm zu genießen. Man kann gut auf den Bänken der Aussichtspunkte oberhalb der Felsenkellerbrauerei rasten.  Das spektakulärste  und gefährlichste liegt hinter uns.

Auf, auf! Marsch marsch!

Wir folgen kurz dem Wanderweg vorbei an einer Streuobstwiese bis zum Coselgrund. Stufen führen hinab zur Felsenkellerbrauerei. Gleich nachdem wir das Kerbtal gequert und den gegenüber liegenden Hang erreicht haben biegen wir nach rechts wieder in einen kleinen Pfad ab. Wir laufen immer an der Hangflanke durch einen Hainbuchen Traubeneichenmischwald. Im Hangwald sind ab und an die Reste des hier im 19. Jahrhundert angelegten Parkes zu erkennen. Ab und an begegnen uns im Hang fast versunkene Mauern und exotische Gehölze wie z.B. der Christusdorn. Aber zumeist laufen wir durch einen „normalen“ Wald. Der Weg geht etwas auf und ab, hält aber sich im oberen Drittel des Hanges.  Immer wieder öffnen sich uns  mal mehr mal weniger erschlossene Ausblicke.

 

Blick zu den Klippen
Die Begerburg

Schließlich erreichen wir ein tief eingeschnittenes Kerbtal. An der Hangkante sind (sofern die Bäume kein Laub haben) die Bauernhäuser von Dresden-Coschütz zu erkennen. Unser Weg führt uns ins Tal hinab. Unten,  an der Brücke,  müssen wir uns entscheiden entweder wir steigen fast bis zum Grund des Weißeritztales ab und steigen dann erneut auf bis zur Heidenschanze auf (Vorteil: wir bleiben im Wald und meiden Dresden-Coschütz) oder wir wählen den steilen Stich nach Dresden-Coschütz und biegen bei den ersten Häusern scharf nach rechts ab und laufen ca. 250 Meter am Feldrand entlang bis uns wieder der Wald aufnimmt. Egal was wir tun, am Ende stehen wir vor dem inneren Wall der Heidenschanze.

Blick zu Inneren Wall der Heidenschanze
Die heidenschanze von der anderen Seite des Weißeritztales aus gesehen.

Nach links gelangen wir etwas abwärts genau über den Ausgang des Autobahntunnels, nochmal haben wir einen guten Blick auf die Begerburg (ein historistischer Bau der mal ein beliebtes Ausflugslokal war).Hier enden die verborgenen Wege.

Die Heidenschanze ist eine bronzezeitliche Wallanlage. Sie liegt an einer der wenigen Stellen wo früher der Weg aus den fruchtbaren Lößgefilden um Meißen kommend und auf die Pässe des Erzgebirges zielend, das Weißeritztal queren konnte. Im Döhlener Becken (eine damals versumpfte Aufweitung des Weißeritztales) gibt es Kupferminerale. In der Heidenschanze ist das schmelzen von Bronze nachgewiesen. Ein Zusammenhang wird vermutet.

Entweder man läuft von hier nach Dresden-Coschütz  zur Strassenbahn oder man biegt vor den Häusern nach rechts in eine kleine Strasse ein, die einen ins Weißeritztal und damit zum Stadtverkehr von Freital führt.

Verlängerung: Wer noch mag kann gegenüber in den Serpentinenweg einsteigen und gelangt so nach Dölzschen. Wir halten uns in den Serpentinen rechts und beschließen den Anstieg gegenüber des Friedhofsweges. Wir folgen diesem zum Friedhof und können von dort durch die Feldfluren nach Roßthal wandern. Am Schloß Roßthal erreichen wir wieder den öffentlichen  Nahverkehr in Form der Buslinie 90 (der uns wieder zur Bienertmühle bringen kann).

Mein Fazit:

Ich habe auf dieser Tour das erste mal verstanden, warum Caspar David Friedrich Adrian Zingg und andere den wilden, romanischen Plaunschen Grund rühmten. Für mich war er ein Tal mit viel Industrie. Schon zu Zinggs Zeiten reihte sich Hammerwerk an Kanonenbohrwerk an Mahlmühle. Wenn man oben in den Klippen steht, hat er etwas ungezügeltes romantisches. Der Weg durch die steilen Felsklippen ist nichts für ungeübte oder Leute mit Kreislaufproblemen und Schwindel, gefährlich ist er dazu. Aber so sei abschließend der gute Alte Mythenmetz zitiert:

Und Abenteuer definiere ich ganz altmodisch nach dem Zamonischen Wörterbuch: »Eine waghalsige Unternehmung aus Gründen des Forschungsdrangs oder des Übermuts; mit lebensbedrohlichen Aspekten, unberechenbaren Gefahren und manchmal fatalem Ausgang.« 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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