Kernwaffen

Quelle: Pixabay Gerd Altmann

Ich habe in den letzten Monaten den Eindruck gewonnen das in der Debatte um Atomwaffen oft eine große Unklarheit Hinsichtlich Begriffe, Einsatzdoktrien und dem politischen Konzept dahinter herrscht. Zumindest in den Zeitungen wird unscharf argumentiert und Begriffe auch mal falsch gebraucht. Ob bewußt oder aus Unwissenheit, mag jeder für sich entscheiden. Es ist auch jedem seine Sache wo er in dieser Debatte steht, wir sollten sie aber auf Basis definierter Begriffe führen. Deswegen möchte ich einige Begriffe erklären. Zudem könnte das Thema eine größere Rolle im Bundestagswahlkampf spielen.

„taktische Atombomben“ – das sind Kernwaffen die a) auf kurze Distanz eingesetzt werden (Artilleriegranaten, Bomben, Raketen) und einen geringen Wirkungsradius haben. Die verstrahlte Zone soll klein gehalten werden. Die auf dem Fliegerhorst Büchel gelagerten Atombomben sind z.B. solche Kernwaffen.  Ihr Einsatzzweck sei an einem Beispiel erläutert:  Hinter der Front formiert der Gegner eine Stoßarmee um die geschwächte Verteidigung wuchtig zu durchbrechen und Raum zu gewinnen (z.B. wie beim Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte 1944 die Sowjetunion). Eine solche Formierung bedeutet auch immer sehr viel Truppe in der Bereitstellung auf  einem sehr engen Raum. Die Gegenseite könnte sich jetzt dazu entschließen von Jagdbombern diese Ansammlung mit taktischen Atombomben zu zerschlagen. Der maximale Verstrahlungsradius von 30 Kilometern wäre ausreichend, da sämtliche Elektronik durch den EMP Schock unbrauchbar würde. Somit selbst wenig bis nicht verstrahlte Soldaten nicht mehr in den Kampf eingreifen können. Diese Einsatzart ist auch der Grund warum deutsche Jagdbomber für den Einsatz ausgerüstet und ausgebildet sind. In Erwartung eines Krieges der auf deutschem Territorium stattfindet, sicherte sich mit dieser Bereitschaft ein Mitspracherecht beim Einsatz. Denn NATO Regel ist: nur Nationen die bereit sind beim Einsatz von Kernwaffen mitzuwirken haben ein Recht über den Einsatz mitzuentscheiden. (Eine vernünftige Regel wie mir scheint – nur die es auch tun und damit letztlich verantworten müssen entscheiden darüber).

„strategische Atomwaffen“ – sind Kernwaffen welche über große Entfernung wirken und in der Regel raketenbasiert sind. Sie stellen das Rückgrat der Erst-, Zweit und Drittschlagfäigkeit (siehe „Gleichgewicht des Schreckens“)dar. Ziel von strategischen Atomwaffen ist es durch zerschlagen der entscheidenden Führungs- und Industriestrukturen den Gegner kriegsunfähig zu machen. Deutschland liegt in der Reichweite der russischen, iranischen, chinesischen, nordkoreanischen und US amerikanischen strategischen Atomwaffen.

Zweit und Drittschlagfähigkeit – Der Einsatz einer strategischen Atomwaffe kann in der Regel weder vorhergesehen noch verhindert werden (das Abwehrsystem der USA ist zwar weit fortgeschritten musste sich in der Praxis nicht beweisen und die USA werden Schwachstellen gewiß nicht paradieren). Daher sichert die Fähigkeit Atomwaffen von nicht vorhersehbaren Orten (Tiefsee, Stratosphäre) einzusetzen den Schutz vor einem Erstschlag. Denn selbst wenn alle landgestützen Raketensilos wirkungsvoll im Erstschlag zerstört würden (was man bezweifeln darf) würde der Angreifer nur um Minuten überleben, da der Zweit- bzw. Drittschlag ihn eliminieren würde. Daher ist ein Angriff unattraktiv. Das nennt man auch populistisch das „Gleichgewicht des Schreckens“. Bekannt ist das die USA und Russland (nur Zweitschlagfähigkeit) diese Fähigkeit besitzen. Vermutlich ist China dazu auch in der Lage. Alle anderen Atommächte sind nur erstschlagsfähig.

Anti-ballistic Missiles (ABM Systeme) grundsätzlich kann so ein Raketenabwehrsystems vor einem feindlichen Gegenschlag schützen. Wie effizient die amerikanischen Systeme sind darüber gehen die Meinungen auseinander. Ob die russischen Hyperschallsysteme diesen Schirm durchdringen können ist noch weniger einzuschätzen.

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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