Militärdecken

Ich habe verschiedentlich erwähnt das ich eine Militärdecke im Notgepäck für sinnvoller erachte als einen Schlafsack. Natürlich liegt die Frage des wieso sehr nahe. Bietet doch der Schlafsack einen (vermeintlich) besseren Schutz und ist vorallem leichter.

Bundeswehrdecke

Ein Schlafsack muss – um seine Isolationseigenschaften zu erhalten -liegend, am besten  hängend  keinesfalls jedoch komprimiert aufbewahrt werden. Sonst verklumpt sein Füllmaterial und er verliert seine Isoliereigenschaften. Keiner wird in  einer Situation wo man schnell aus dem Haus muß, die Zeit haben ihn aus dem Schrank zu nehmen, sorgfältig zusammenzurollen und in den Komprimierungssack zu stecken. Daher scheidet er für das Notgepäck aus. Zudem besteht der aus Kunststoff, ist somit sehr empfindlich auf Funkenflug. Doch dazu unten mehr. Auf Grund der Herstellung aus tierischer Wolle halten Militärdecken auch dann noch warm wenn sie nass sind.

Daher – Militärdecken,  sie sind gemacht um jemanden im Freien warm zuhalten und vor den Unbill der Witterung zu schützen. Militärdecken (zu den Unterschieden später) bestehen aus gewalkter Wolle (also aus Filz). Im Unterschied dazu besteht Loden aus gewalktem Tuch (wobei ich mir nicht sicher bin ob die Qualität “Militärloden” nichts anders als um deklarierter,  sehr feiner Filz ist) . Grundsätzlich können sowohl eine Loden als auch eine Filzdecke eine sinnvolle Alternative zum Schlafsack sein.

An dieser Stelle gleich ein Einschub: warum lasse ich die Fleecedecken außen vor? Sie sind leicht, billig und an jeder Ecke zu haben? Nun – hier kommen wir zu der Frage des Kunststoffes die wir oben schon berührt haben. Fleece (auf Deutsch: Polyestervlies oder Kunstfilz) besteht aus Kunststoff (zum Teil aus recyclten PET Flaschen) und hat eine unschöne Eigenschaft: es brennt sehr gut und sehr schnell. (Spezielle Fleecesorten wie Normex lasse ich außen vor, da diese  sehr teuer sind und  nur für sehr spezielle Kleidung (z.B. für Feuerwehr, GSG 9 usw.) verarbeitet werden. Dichte Wollgewebe wie z.B. Filzstoffe und Lodenstoffe brennen deutlich schwerer als Kunststoff. * Wir reden hier von einem Notfall/Notgepäck, also einer Situation wo es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, das man sich am offenen Feuer wird wärmen müssen. Und gerade wenn man in eine Decke gehüllt am Feuer sitzt, möchte man nicht das ein Funke ein Loch hinein brennt, oder die Decke anzündet. Auch ist die sehr gute elektrostatische Aufladbarkeit von Fleece  bei technisch ausgelösten Kathastrophen (z.B. explosive Gasgemische) ein Problem (Zündfunke).

Ebenfalls außen vor lasse ich Lodendecken da diese mit Preisen von 150 -450 EUR zu Buche schlagen.

Zurück zu den Militärdecken.  Ich stelle hier die vor die ich kenne und selber benutzt habe. Natürlich gibt es weitere, doch zu diesen kann ich nichts sagen.

1. US- Amerikanische Militärdecken

Die US Army Decke

Gibt es in den Größen 200 x 140 und 230 x 170 sowie (selten)  in Zwischengrößen. Die Ränder sind mit umlaufenden Stich eingefasst. Die Decken sind relativ dünn. Als einzigste der hier vorgestellten Decken dringt geringfügig Licht durch wenn man sie gegen eine starke Lichtquelle hält. Bis +10 Grad macht die Nutzung kein Problem. Mit einer dünnen zweiten Decke bis -1/-2 Grad tauglich. Einschränkend muss gesagt werden, dass sie bei Wind kein guter Schutz ist. Ich empfinde die Größe 230 x 170 als sehr angenehm, leider sind diese Decken für das Notgepäck zu dünn. Denn ich kann mir nicht aussuchen bei wieviel Grad ich aus dem Haus muß.

Kosten: 30 – 60 EUR

2. Bundeswehr-Decke

Die Bundeswehrdecke

Es ist zwischen den Unterkunfts-, Sanitäts- und Felddecken zu unterscheiden. Leider ist das den meisten Anbietern dieser Decken nicht bewusst und sie würfeln die Begriffe wie es ihnen in den Sinn kommt durcheinander. Daher der Versuch die einzelnen Decken zu beschreiben. Es kann gleich gesagt werden, dass die Unterscheidung nach Farbe und Bedruckung (Bund, Bundeseigentum, Bundeswehr ) nicht möglich ist. Eigentümlich ist den Bundeswehrdecken, die sorgfältige Verarbeitung z.B. durch einfassen des Randes mit Schrägband. Auch sind die Bundeswehrdecken weniger kratzig als die der NVA oder der Norweger.

Unterkunftsdecke: Maße 200 x 150, die Qualität ist in der Regel etwas dünner als die der Felddecken/Sanitätsdecken. Es soll davon auch eine Variante 220 x 150 geben, diese habe ich aber bisher nicht in der Hand gehabt. Gewicht ca. 400 g/qm

Kosten: 20-30 EUR

Sanitätsdecke: ( baugleich beim Katastrophenschutz in Verwendung)220 x 130. Diese Decken sind dicker als die Unterkunftsdecken, gefühlt dünner als die Felddecke. Gewicht ca. 450 g/qm. Diese Decken haben manchmal den Aufdruck “Sanitätsdienst”

Kosten: 40-65 EUR

Felddecke: 200×150 von dicker, dichter Qualität mit einem Gewicht von 550/600 g/qm. Die Felddecke ist irgendwann entfallen und durch einen Schlafsack für jeden Soldaten ersetzt worden. Allerdings gibt es noch immer  sehr gute Felddecken auf dem Gebrauchtwarenmarkt.

Kosten: 20-30 EUR

3. Die Schweizer Decke

Die Schweizer Decke

Sie ist weit bekannt und wird am wenigsten als Militärdecke wahrgenommen. Ja diese Decken werden sogar als stylisch empfunden und als teures Imitat (die Verkäufer sprechen lieber von: Nachbau) z.B. von Manufaktum (175 EUR) verkauft. Man kann sie aber auch einfach vom Depot der Schweizer Armee in Zürich für 55 EUR beziehen. Gebraucht werden zwischen 40 und 60 EUR aufgerufen.

Diese Decke ist meiner Meinung nach vollkommen überbewertet. Zum einen ist sie etwas dünner als die Bundeswerdecke.  Zum anderen zeichnen sich originale Schweizer Decken  durch eine – sagen wir mal – etwas lieblose Verarbeitung aus. Die Decke ist nur an zwei Seiten mit Stich gefasst! Ansonsten ist die rauhe Kante ungesäumt und die Decke zeigt an dieser Kante gerne mal Auflösungserscheinungen.

Übergang vom gesäumten zum ungesäumten Bereich

 

4. Die NVA Decke

Eine kratzige, recht warme oft in schlechten Zustand (zu heiß gewaschen!) sich befindende Decke in den Maßen: 190 x 140. Es sind fast ausnahmslos schlechte Qualitäten auf dem Markt.

Meine Präferenz:

Die Bundeswehrdecken. Diese heben sich deutlich in der Qualität von den anderen warmen (also nicht die US-Decken) Decken ab.

 

Empfehlungen für den Kauf:

– Neuware ist meist ein Imitat oft von schlechterer Qualität.

– Es lohnt sich die A-Qualität der Gebrauchtware zu kaufen.

– Durch unsachgemäße Behandlung (zu heiß gewaschen!) können die Decken ihre Form verlieren und kleiner Maße haben, trapetzförmig sein etc. Daher lohnt es sich bei Anbietern zu kaufen, die ihre Ware vor Verkauf sorgfältig prüfen und beschreiben!

– Eher längere und breitere Decken kaufen. Man will sich ja schließlich im Notfall möglichst gut darin einwickeln können.

-Die Preise sind im Sommer meist etwas besser als in der kalten Jahreszeit.

– An die Packriemen zum an den Rucksack schnallen denken. In der Krisensituation kann es sein, dass der Platz im Rucksack für anderes benötigt wird. Ein Packsack dazu bietet auch noch Nässeschutz.

 

 

 

*L Meckel “Brennbarkeit von Textilien” in Schadenprisma 1978/4, im Gegensatz dazu sind die Untersuchungen der Stiftung Warentest an Kindertextilien aus dem Jahr 2009 nicht verwendbar (TÜV Süd-Journal (o.J.) “Brennende Kinderkleidung?  Offene Fragen zum Test der Stiftung Warentest.”)

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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