Netiquette

Auch wenn das ein geschlossener Blog ist und eigentlich es sich ausschließt das hier irgendwer aus der Rolle fällt, möchte ich zu den Netiquetten ein paar Worte verlieren.

Behandelt einander Höflich! Bitte! Die unsterblichen Gebrüder Grimm definieren „höflich“:

„..hat sich seit langer zeit schon die heute noch einzig gebliebene [Art] von höflich herausgebildet, die nur noch auf das feine, artige verhalten gegen andere, im umgang..“ (Deutsches Wörterbuch Bd. 10, Sp. 1690)

Ich halte viel davon erst daran zu denken das:

a) der andere auch (nur) ein Mensch ist. Aber natürlich kenne ich die heiße Wut dem Bazi, Saupreiß elendiger mit der Tastatur eins zu verwinken. (Allen Bayern tu ich hiermit Abbitte – das sprachliche Bild ist zu schön!) Doch dann greift b) und ich kann wieder kühl argumentieren.

b) sich einer Eigenart der scholastischen Diskussion zu erinnern: bevor man auf das gegenüber erwidert, dessen Argumente zu wiederholen.

Ein gutes Beispiel für den zivilisierten Umgang bietet das Bild „Die Kapitulation von Breda“! Das Unbehagen des spanischen Generale mit  der Situation ist fast körperlich zu spüren. Keine Spur von Triumph oder Übermut, eher schon ein „..dafür nicht..“. Die Peinlichkeit Sieger zu sein.

 

So das soll reichen! und ich hoffe diesen Beitrag nie wieder anfassen zu müssen!

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Reisetagebuch Litauen I

Edit: ich habe das Tagebuch heute von privat auf öffentlich umgestellt, daher erscheint es als neu. Es ist aber unverändert das aus 2016.

Reisetagebuch Litauen

Anmerkung: Mit diesem Reisetagebuch fing es an…. Geschrieben aus einer inneren Laune heraus habe ich es einigen von Euch zum lesen gegeben und Euer positives Echo hat mir Mut gemacht diesen Blog zu beginnen. 

Doch nun folgt mir au die Reise…

Bei einer Fahrt geht einem eine Menge durch den Kopf, vieles was man später so nicht mehr wiedergeben kann. Deswegen will ich bei jedem Stopp Notizen machen.

  1. Juni

Ich starte spät gegen 10 Uhr, es regnet in Strömen. 13 Grad, ein kühler Sommertag. Ganz ausgeschlafen bin ich nicht. Trotzdem fährt es sich recht gut. Wichtiger noch ich bin mit mir und meinen Gedanken alleine. Autobahn fahren ist Routine.  Es ist das angenehme an so langen Fahrten, erst kannst du den Strom der Gedanken gehen lassen, wirst ruhiger und dann kannst Du ihn ordnen. Da sind nur die Straße und ich und meine Gedanken. So eine Pause habe ich schon länger mal gebraucht.

20 km vor Breslau

Bei Bautzen gab es den ersten Stau, da habe ich mit den Einträgen begonnen. Jetzt mache ich Mittagsrast an einer Orlentankstelle irgendwo kurz vor Breslau. Der Verkehr ist dicht. Linkerhand tauchen immer wieder die beeindruckenden Gipfel des  Riesengebirge auf. Leider bisher keine Gelegenheit zum anhalten und fotografieren. Das Wetter malt Wolken an den Himmel so als tät ein größenwahnsinniger Maler sie auf die Leinwand bannen.

Irgendwo zwischen Breslau und Sieradz 14 Uhr

Es regnet nicht mehr. Ich brauch die Sonnenbrille die Außentemperatur liegt bei 22 Grad. Der Wind hat zugenommen, ich schätze Windstärke 6. Wenn der Wind von der Seite kommt ist der Vaneo wie ein Segel. Ich habe Geschwindigkeit reduzieren müssen. Kommt der Wind von hinten und ich passe nicht auf, fährt das Auto 200 km/h (170 sind als max angegeben in den Papieren). Die Landschaft ist endgültig polnisch geworden. Wir haben Schlesien verlassen. Kurz hinter Breslau habe ich die Autobahn verlassen und bin auf die S8- eine autobahnähnlich ausgebaute Schnellstraße –  gewechselt. Fahren darf man hier eigentlich nur 110…

Sieradz

Der Wind hat weiter aufgefrischt und reißt dickere und dünnere Ästen von den Bäumen. Zum Glück haben bisher nur dünne das Auto getroffen. Schwere Unwetterwolken wandern schnell. Hier in der Gegend wird eine Pflanze angebaut welche auf den ersten Blick unserem Kreuzkraut ähnlich sieht. Es aber nicht ist. Es wächst in den Dörfern auf kleinen, meist hausnahen, Feldern. Zuerst habe ich es für mickrigen Raps gehalten, bis ich beim Anhalten sah, das es kein Raps sein kann. Was es ist weiß ich nicht, aber irgendwie interessant.

Zisterzienserabtei nahe Sieradz
Zisterzienserabtei nahe Sieradz

Watha am Warthestausee 16 Uhr

Schon wieder brauche ich die Sonnenbrille! Weiterhin sehr starker Wind. Die Schaumkronen auf dem Stausee brechen sich. Aber zwischen den Wolken lacht die Sonne! Viele Fotomotive, kann gar nicht so oft anhalten wie ich möchte! Die Straßen sind hier teilweise prekär.

Die Warthe
Die Warthe

Die Warthe

Rastplatz an der A1 nördlich Konin

Ab Sieradz bin ich Landstraße gefahren. Das ist abenteuerlich. Da gibt es Abschnitte wo – ohne jede Vorankündigung – 15 cm Tiefe Löcher in die Fahrbahn gefräst worden sind oder es stehen plötzlich Rinder auf der Fahrbahn. Die Polen nehmen das gelassen. Ein Beispiel gefällig? Ich versuche mit dem Wechsel in Sieradz ja Lotz zu umfahren. Der Schnellstraßenring ist noch nicht fertig und solange ist das eine staugeplagte Stadt die ich lieber meide. Fast habe ich die A2 erreicht – sie wird bereits ausgeschildert – als ich plötzlich vor einem „Einfahrt verboten“ Schild stehe. Also manövriere ich in die Einfahrt einer verlassenen Fabrik um zu wenden. Doch die Einheimischen fahren munter an dem Schild und dem Bauzaun vorbei. Die Lücke ist gerade PKW breit. Ich denke “ Probieren! Mehr als dass Du zurück fahren musst kann nicht passieren.“ Ich also hinterher und siehe da es geht, zwar wird an der Straße gebaut, aber der Belag ist schon fertig und es wird an Verkehrsinseln und Gräben gewerkelt. Wenns mal eng wird, fahren die Bauarbeiter  willig einen Bagger oder ähnliches Gerät zur Seite damit man durchkomm und natürlich wartet unsereiner auch mal einen Moment. Verkehrsschilder? Halb so wichtig!

Rastplatz südlich Graudenz 19 Uhr

Der Wind ist weiterhin stark und ich habe ihn – da Westwind- immer aus der Seite. Mit der Zeit strengt das Gegenlenken doch an.

Die ersten Tankstellen schließen. Ich wollte an einer Orlentankstelle tanken. Noch ein Viertel Tankfüllung habe ich. Doch ein Mitarbeiter machte mir gestikulierend klar, dass diese geschlossen sei. Er zeigte dabei immerzu auf das Dach. Ich verstehe nicht ganz, was warum wieso. Beim Wegfahren sehe ich wie der Wind an den Dachblechen hebelt und einige schon zur Hälfte gelöst hat.!! In so einer Situation sind zwei Kanister Benzin im Auto zu haben wirklich beruhigend!

Marienburg

850 km liegen hinter mir. Ab Graudenz nahm der Sturm nochmal zu. Dazu dichter Regen, das Auto schwankt wie ein Besoffener und dem Hund ist sicherlich kotzübel gewesen. Das Hotel ist in Ordnung. Wie im letzten Jahr ist die erste Amtshandlung die Stinkbombe zu beseitigen, will : meinen das elektrische Geruchsgerät in der Steckdose zu ziehen. Jetzt ausruhen und schlafen!! Vorher will ich heiß duschen, die Schultern sind vom ständigen gegenlenken verspannt.

18 Juni, Marienburg, 6 Uhr

In der Nacht bin ich gegen ein Uhr vom krachenden Geräusch brechenden Holzes wach geworden. Der Sturm hat den Wipfel eines nahe stehenden Baumes gebrochen. Am Morgen dann Sonne und Quellbewölkung, Windstärke 3-4 schätze ich. Der Hund genießt den Morgenspaziergang am Nogatufer. Im Gegenlicht liegt die alte Hochmeisterburg majestätisch da. Der Hund will anschließend nicht mehr zurück zum Hotel – weil da ja das Auto wartet! Sosehr ich die Nebenstraßen mit ihren alte Alleen mag, ich werde den Umweg über Elbingen fahren. Ich fürchte das die Nebenstraßen noch nicht frei sind von umgestürzten Bäumen. Da erscheint mir die Wahl der Fernverkehrsstraßen sicherer.

Östlich Elbingen

Ich bin gegen 7 Uhr gestartet. Auf das Frühstück habe ich dankend verzichtet. Nicht dass es nicht lecker aussah, aber die Deutschen die dort saßen und gewaltig das Wort führten waren mir zuwider.

Überall auf der Straße ist der polnische Katastrophenschutz dabei umgestürzte Bäume zu räumen. Den Bäumen fehlt seit langem kontinuierliche Pflege, dass sieht man schon so und merkt man jetzt erst recht. Schade das so Preussen seine charakteristischen Alleen verliert, den die Polen pflanzen nicht nach. Es geht stetig voran. Beim Verlassen von Marienburg hatte ich ein Wiedersehen mit einem Polzistenduo. Diesmal war ich nicht zu schnell, sondern der Pole vor mir. Ich muß langsam fahren als er rausgewinkt wird. Ich kann es mir nicht verkneifen zu grüßen , erst gibt es ein ratloses Gesicht, dann ein Grinsen und schon bin ich vorbei. Man merke sich: die Marienburger Verkehrspolizei ist fleißig!

Das Land wandelt sich. Es ist nun merklich dem Wasser abgerungenes Land, tief, oft über 2 Meter schneiden die Straßengräben ein. Entwässerungskanäle ziehen schnurgerade ihre Bahn. Die Siedlungen liegen überwiegend auf sandigen Anhöhen, wohl eiszeitliche Dünen oder Inseln als das hier alles noch vom Wasser umspiült war.

Wiedermal wälze ich den Gedanken ob ich mir für solche Texte einen eigenen Blog zulegen soll. Aber braucht die Welt überhaupt diese Texte? Und gebe ich damit nicht zuviel preis an eine von mir nicht zu kontrollieren Öffentlichkeit?

Ostrpeussischer See
Ostrpreussischer See

Barczewo (Wartenburg in Ostpreußen)

Leider gab es bisher wenig Möglichkeiten in Ostpreußen zu fotografieren. Nicht das es an Motiven mangelt, es ist schwierig anzuhalten. Ich bin heute einmal höchst irregular abgebogen um einen See zu fotografieren und mußte so über Barczewo fahren. Manchmal ist einem das Schicksal des hold. Im Kern eine Stadt der dt. Ostkolonisation. Die Struktur mit rechteckigen Markt, Rathaus mitten auf dem Marktplatz‘ Stadtkirche und Kloster ganz klassisch. Das ehm. Schloß ist Gefängnis. Von der Ordensburg sind nur gewaltige Erdwälle erhalten geblieben. Obwohl es zunehmend bewölkt ist kam die Sonne durch. Glück muss der Mensch haben!

Viele Militärkolonnen fahren hier in Ost- und Westpreussen. Ob es nur das laufende Manöver „Anakonda“ ist wage ich zu bezweifeln. Denn an vielen Brücken sind neu die Zeichen zum Verkehr militärischer Fahrzeuge angebracht.

Wartenburg in Ostpreussen
Wartenburg in Ostpreussen

Gegend von Maragowo (deutscher Name mir nicht bekannt)

Endgültig liegen die Ebene die Westpreussen bildet hinter mir. Toteisseen, und Moränen haben eine abwechslungsreich Landschaft geformt, in der sich die Eiszeit gut studieren lässt. Es ist das sogenannte Oberland. So nannten es früher seine deutschen Bewohner jedenfalls. Eine gescheite moderne Landeskunde dieser Gegend ist auf Deutsch oder Englisch nicht aufzutreiben, so dass ich mein Wissen aus Büchern von vor 1945 beziehe und von dort auch die Bezeichnungen übernehme. Überall Klatschmohn, Kornblumen und Margriten in den Wiesen und oft auch in den Feldern.

Mir sind doch noch ein paar schöne ostpreussische Impressionen gelungen. Ich hatte vergessen wie schön (aber auch kurvig) die Strecke kurz vor Elk (Lyck?) ist.

Der Wind ist weiterhin bei Windstärke 3-4. Das führt dazu, das größten teils dunkle Wolken schnell weiter ziehen und ich grundsätzlich gutes Wetter habe.

Augustow

Es ist auf den letzten 80 km deutlich wärmer geworden. Augustow ist ein nettes Städtchen an den Seen und dem Augustower Kanal. An so einem schönen warmen Sonnabend zieht es die Bewohner und ihre Gäste an das Wasser. Ich wollte mich dazu gesellen, aber es gab keine Parkplätze mehr. So habe ich getankt und mache Pause im Wald zw. Augustow und der Grenze zu Litauen. Doch auch hier scheint rasten nicht wirklich gut zu sein. Im Wald ist Kettenklirren zu hören, ein Zeichen das darin die polnische Armee übt. Der Waldweg der von der Strasse wegführt und auf dessen Beginn das Auto steht ist arg zerfahren. So werde ich die Pause nicht unnötig ausdehnen und bald weiterfahren. Bis Vilnius sind es noch 2-3 Stunden Fahrt.

Moorlandschaft
Moorlandschaft
  1. Juni, Vilnius

Nach gestern einem ruhigen Tag ohne erwähnenswertem  folgt heute noch ein ruhiger Tag. An Wochentagen sind die stillen Ufer der Neris noch stiller. Die Menschen arbeiten. Beachtenswert ist die Vielzahl der Moose. Ich zähle allein sieben verschiedene Sorten beim Frühspaziergang mit dem Hund. Eigentlich assoziiert man ja eher das klassische Baltikum, also Lettland und Estland mit den Moosen…

21 Juni, Sommerhaus in der Nähe von Trakai

Nach zwei Tagen überwiegende Faulheit, waren wir heute in Trakai. Ich bin schon öfters dort gewesen und das Örtchen mit seinem Tourismus ist mir nicht fremd. Auch die Ausstellung in der Burg ist mir nicht neu. In der Vergangenheit war diese betont Litauisch, in Aspekten grenzwertig Litauisch, aber sachlich in Ordnung.

Die Ausstellung hat sich zum schlechteren verändert. Teilweise wird die Grenze zur Geschichtsfälschung überschritten. Dies sei an einigen Beispielen erläutert. In einer Vitrine sollen Waffen aus der Zeit der Großfürsten des 15 und 16. Jahrhundert zu sehen sein, nur leider ist auf der dazugehörigen Halsberge das sächsische – polnische Unionswappen zu sehen, womit wir im 18 jh. wären.

An anderer Stelle wird ein Thron von Knynstud gezeigt, dass es eine freie Rekonstruktion ohne historischen Nachweis ist wird nicht erwähnt.

Letztes Beispiel ohne das die Reihe nicht fortgesetzt werden könnte : die Rekonstruktion der Siedlung auf der Halbinsel, hier wird eine fantasievolle Darstellung auf Basis eines Rekonstruktionsversuches aus der ersten Hälfte des 20.jh gezeigt. Dort türmen sich Steinmauern auf Steinmauern gestaffelt in die Höhe. Das dieser Entwurf widerlegt ist und die moderne (litauische) Geschichtsforschung maximal von einer Bebauung mit Holzgebäuden ausgeht, wird ignoriert.

Mein Eindruck ist, dass hier eine Geschichtskonstruktion erfolgt, die beweisen soll man ist genauso groß und mächtig wie die Nachbarn gewesen. Mental in der gegenwärtigen außenpolitischen Situation verständlic, dass beschwören der eigenen Identität. Aber: Politische Intentionen als Inspiration für geschichtswissenschaftliche Thesen sind in der Vergangenheit stets der Weg gewesen der sich als falsch erwies (ich sage nur germanische bzw. slawische Landnahme im Dritten Reich bzw. In der DDR. ) Wie gefährlich übersteigerter Nationalstolz ist beweist zur Zeit Polen, das meint aus dem Schutz der NATO heraus Rußland den Stinkefinger zeigen zu können und so das gesamte System der Bündnisverteidigung gefährdet.

Aurelius und Martin hob das alles natürlich nicht an. Da war ein spannendes Gebäude zu entdecken und faszinierende Dinge in den Vitrinen.  So muß das aber auch sein! Kinder sollen mit Kinderaugen die welt betrachten!

Abendstimmung am See von Trakai
Abendstimmung am See von Trakai
  1. Juni

Heute sind wir unterwegs in den Norden von Litauen. In Skuodas wird Kristinas Ziehmutter begraben. Indre kannte die alte Dame gut und deswegen sind wir der Einladung gefolgt. 340 km ist die einfache Strecke. Die Reise führt uns durch die immer Fläche Landschaft Litauens, mal mit mehr Wasser, mal mit weniger. S. Ist eine kleine Stadt die ihre Entstehung dem verdankt, dass hier die Sümpfe, die die Grenze zu Livland bilden passierbar sind. Was zur Schlacht mit dem livländischen Orden 1295 führte. Ein Problem das noch im zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung in den Kurlandschlachten war.

Kristinas Ziehmutter war überzeugte Atheistin und wurde deswegen eingeäschert. Umsomeher mein Erstaunen als Algimantas (Kristinas Mann) ein massives Holzkreuz neben der Urne aus dem Auto holt. Tradition oder unausgesprochener Konflikt ?

Der Grabmacher hat ein rechteckiges Loch von ca. 1,50m Tiefe in der Familiengrabstätte ausgehoben. An der Ostseite ist eine Nische ausgehöhlt  in der eine Kerze brennt. Die Trauergemeinde besteht nur aus Kristinas Familie und uns. Kristina liest aus dem Buch der Engel, Kapitel Michael (der Engel der am Himmelstor die Seelen wägt) vor. Das Buch der Engel ist keinenfalls kanonisch und ich muss, es im Nachgang nachschlagen. Meine Gedanken schweifen ab und so fällt mir auf, dass in der Grabstätte ein Mann und ein einjähriges Kind liegt. Der Mann das Kind sehr wohl gezeugt aber nicht gesehen haben kann.

Nach der Zeremonie frage ich Kristina danach. Das Kind ist der leibliche Sohn ihrer Ziehmutter und der Mann dessen Vater. Er war Staatsanwalt in Skuodas. Spät im Jahr 1958 trank er mit dem Polizeichef von Skuodas. Mehr als nur ein Glas. Es kam zum Streit zwischen den beiden und er wurde vom Polizeichef erschossen. Alles nachfragen ob es dort mehr Hintergrund ( hat der Staatsanwalt etwa wegen Dingen. der Stalinzeit ermittelt? ) bringen nichts zu tage außer das man sich mit der Aussage des überlebenden Polizeichef begnügt hat und das die Ziehmutter nicht gern darüber sprach (den Kommunisten tun so etwas nicht). Als ihr Sohn mit reichlich einem Jahr an Masern stirbt geht sie nach Vilnius und kehrte nie mehr zurück nach Skuodas. Bei mir bleibt das Gefühl nicht alles zu wissen und im Wortsinn ein Geheimnis mit begraben zu haben. Im Baum über dem Grab der Atheistin mit dem Holzkreuz nisten Störche, ein paganes Glückssymbol….

  1. Juni

Heute besuchen wir Onkel Valdes und Tante Nijola in Kaunas. Nachdem wir gestern eine Kommunistin begraben haben, reisen wir heute zum bürgerlichen Litauen. Das Haus der beiden am Rande der äußeren Altstadt verströmt noch immer die selbe Behaglichkeit, Bücher, alte Möbel ausgewählte Bilder an den Wänden, wir werden herzlich wie immer empfangen. Bald schon diskutieren wir den Brexit und was es für Europa bedeutet, was Europa für Litauen bedeutet und nicht zuletzt die Vergangenheit. Onkel Valdes spricht Englisch, Tante Nijola deutsch. Onkel Valdes erzählt das sein Onkel Major der litauischem Luftwaffe zw. Den Kriegen war und er sich vor den Sowjets nach dem zweiten Krieg verstecken musste. Die Sowjets fand ihn und haben ihn ermordet, sein Bruder, Onkel Valdes Vater kam nach Workuta weil er den eigenen Bruder nicht verraten hat. Seine Mutter steckte trotzdem den deutschen Kriegsgefangenen Lebensmittel zu. Onkel Valdes durfte nie die Sowjetunion verlassen. Tante Nijola durfte in die DDR reisen ihr Mann nicht. Ich wiederhole unsere Einladung uns in Dresden zu besuchen und dränge sie es zu tun solange die Gesundheit noch mitspielt.

24 Juni

Wir haben heute eine interessante Fahrt in das südliche Lettland unternommen, aber irgendwie bleibt bei mir nichts was mich zum Kommentar einlädt. Es war ein wirklich schöner und interessanter Tag, aber die Beobachtungen blieben eher rar.

Burgruine des livländischen Orden in Bauskas
Burgruine des livländischen Orden in Bauskas
Rundale (Schloß Ruhenthal – Sitz der kurländischen Herzöge)
Rundale (Schloß Ruhenthal – Sitz der kurländischen Herzöge)
  1. Juni

Wir treffen uns mit Kristina und Almandias an der Kunstschule. Es ist Sonnabend, die Gänge sind leer der Schritt ist zu hören, nur wenige unentwegte arbeiten heute. Ich muss mich einchecken. Die Kunstschule ist ein Bau aus der Stalinzeit errichtet von deutschen Kriegsgefangenen. Ich stelle fest das mir diese Architektur näher steht als manches der Moderne.

Anschließend gehen wir in den Vingio Park. Die weitläufige Parkanlage ist ein Paradies für Kinder und Jugendliche. Oft sieht man ausgefallene Spiel- und Sportgeräte die ich so nicht aus dem „klassischen“ Westeuropa kenne. Aber ein Volk das an seine Zukunft glaubt, hat Kinder und schafft solche Plätze für sie. Der Unterhalt der Anlage kann nicht billig sein, beeindruckend das Vilnius dies tut.

Am Rande des Parkes liegt der Soldatenfriedhof. Hier ruhen tausende Tote aus zwei Weltkriegen. Die Bäume beschatten das weite Areal und unter ihnen herrscht Dämmerlicht. Unwillkürlich erinnert es mich an den Nobiskrug, jenen Ort wo sich Tote und Lebende zum letzten mal begegnen können.

  1. Juni

Hinter mir stürzt die Erde zurück, der Jet zieht an. Eine Woche voller Anregungen und nachdenkenswertem liegt hinter mir Begegnungen und Orten. Ich versuche Gedanken und Eindrücke zu ordnen, doch es gelingt mir nicht, dafür müsste ich Auto fahren. Aber eines steht mir in dem Moment nahe:

The Road Not Taken

(Robert Frost)

Two roads diverged in a yellow wood,

And sorry I could not travel both

And be one traveler, long I stood

And looked down one as far as I could

To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,

And having perhaps the better claim,

Because it was grassy and wanted wear;

Though as for that the passing there

Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay

In leaves no step had trodden black.

Oh, I kept the first for another day!

Yet knowing how way leads on to way,

I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh

Somewhere ages and ages hence:

Two roads diverged in a wood, and I—

I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.