Phänologische Beobachtungen – Vorfrühling – Huflattich

Huflattich – Künstlerpostkarte von Anna Haller

Die Blüte der Huflattich signalisiert das Ende des Vorfrühling. Wenn sie erscheinen dann erwarten wir schon die Blühten der Forsythien und damit die Zeigerpflanze für den Beginn des Erstfrühlings.

Denn wenn nur wenig – und das zaghaft- blüht, dann streckt der Huflattich seinen markanten Stängel aus dem kargen Boden. Arme, magere Standorte gern auch ruderale Standorte (als solche bezeichnet man vom Menschen stark beeinträchtigte Standorte wie Bau­stellen, Steinbrüche, Graben- und Wegränder, Äcker und Brachen), da ist er zu finden. Das der Huflattich zu den schleimlösenden Bronchialheilmitteln gehört ist weithin bekannt.

Huflattich ist in den letzten zwanzig Jahren wegen seines Gehaltes an Pyrrolizidin-Alkaloiden in Kritik gekommen und deswegen auch nicht von dem Expertengremium der europäischen Union als „Traditionelle Heilpflanze“ eingestuft worden (auch wenn Huflattich genau das ist). Im Handel befindliche Tees, Extrakte und Rezepturen stammen aus Züchtungen mit vermindertem Gehalt an Pyrrolizidin-Alkaloiden. Ob das Einfluss auf die Wirkung hat vermag ich nicht zu sagen.

In der traditionellen Literatur wird eine Tagesdosis von 7,5 Gramm (3x täglich ein Aufguss von 1,5-2,5 g getrockneten Blättern) als Maximalwert empfohlen. Zur Dosierung von Frischpflanzenpresssaft habe ich keine Informationen gefunden (weiß aber das auch das eine traditionelle Anwendung ist).

Weniger bekannt ist das er schon in der Antike intensiv genutzt wurde, da aber als Räucherwerk. Ob dieses – wie manchmal behauptet wird halluzinierend wirkt – den Versuch habe ich nicht unternommen. Auch wenn Pilinius d.Ä. in der „Naturalis historia“ recht präzise Angaben macht. Huflattich wird noch heute gern dem Herbal Tobacco beigemixt. Das ist eine Art Kräuterzigarette/Kräutertabak (ob er tatsächlich seit der keltischen Zeit tradiert ist lasse ich dahingestellt).  Im englischen Sprachraum ist „Herbal Tobacco“ oder auch Organic Natural Smoking weiter als in Deutschland verbreitet. In Deutschland wird es als eines der alternativen Entziehungsmittel bei Nikotinsuch (Vulga: Abhängigkeit vom Rauchen) verwendet. Es gibt keine einheitliche Definition was in Herbal Tobacco hineingehört.  Daher reicht – je nach Mixtur  – die Wirkung von harmlose Kräutertabak bis zu tatsächlich berauschend wirkenden Mitteln. Huflattich ist sehr oft Bestandteil von Herbal Tobacco.

Benutzte Quellen:

Paracelsus „Über die Eigenschaften der Kräuter, Wurzeln, Samen etc. Deutschlands, des Vaterlandes und Reiches“(Leipzig 1927)

Hildegard von Bingen – Das Pflanzen- und Kräuterbuch– 2005

Börngen – „Pflanzen helfen heilen“, 5. Auflage 1969

http://www.arzneipflanzenlexikon.info

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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