Rebellen der Berge ein Widerspruch

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https://www.youtube.com/watch?v=fEjALRgZkb0

Es geht um das oben stehende Video. “Euer Ehren ich erhebe Einspruch gegen diese Darstellung!”

Vorab: ich bin vor etlichen Jahren in einem Antiquariat über die „Erinnerungen aus wilder Zeit“ des Forstbeamten Knieling gestossen. Später habe ich noch das eine oder andere dazu gelesen. Deswegen habe ich mir den Film angesehen- Das nachfolgende ist die Essenz des angelesenen und teilweise meine subjektive Einschätzung.

Der Film ist einseitig zugunsten der Wilderer. Das fängt schon beim Grundthema an. Die Wilderei hatte eben nicht ihre Ursache imn den Hungerjahre des Kriegs. Die Wilderei war ein Problem mindestens seit dem späten 19. Jahrhundert. Ursache waren auch die geringen Strafen (2-3 Wochen Arrest). Eine nicht thematisierte Ursache ist: die Bewohner hatten den Gemeindewald bereits vor dem Krieg leergeschossen (das erklärt auch warum so viele Jagdgewehre im Umlauf waren!). D.h. anders als ein verantwortungsbewußter Waidmann hatten sie nicht gehegt sondern nur geschossen. D.h. eine Reserve für schlechte Zeiten war, dank verantwortungslosem Handeln nicht vorhanden. Viele der Wilderer waren zugleich auch Viehdiebe, die ihren Nachbarn das Vieh von der Weide geholt haben (dieser Aspekt wird im Rettenbachprozess von 1915 gut herausgearbeitet).

Auch wenn die damalige Zeit verschämt von Unzucht spricht: die Frauen haben augenscheinlich teilweise das Fleisch mit Sex bezahlt. Ich würde von einer ausnutzung ihrer Notlage sprechen.

Der Graf Lamberg hat den Zwangsabschuss nicht ignoriert sondern war im Verzug, d.h. zum Stichtag Ende Februar 1918 hatte er „nur“ 50% des Wildes abgeschossen.

Zur Wildererschlacht: erst als mehrere Polizeibeamte von geworfenen Krügen am Kopf verletzt worden waren, hat der Probegendarrnen Danninger als nicht nur ein Bierseidel auf seinem Kopf zerschlagen wurde, sondern auch man ihm das Gewehr aus den Händen reißen wollte zugestochen. Klassische Notwehr!

Zu dem im Bett erstochenen zitere ich das was der Nationalpark Kalkalpen auf seiner Webseite selber schreibt:

„Nach dem Einschreiten im Gasthaus Dolleschal entsendet Oberinspektor Dimmel den Patrouillenleiter Kutzenberger des Postens Molln mit sieben Probegendarmen zur Verhaftung des Johann Eder (vulgo Resch in Ramsau) wegen Teilnahme am Wilddiebstahl. Die Patrouille kommt um 21.10 Uhr beim Hause an, doch weigerte sich Eder zu öffnen. Erst als dessen zwei Schwestern heimkehren, kann die Patrouille gleichzeitig mit ihnen ins Haus eintreten. Eine der Schwestern lässt die Patrouille in den ersten Stock, wo Eder in seiner Kammer im Bett liegt. Kutzenberger tritt mit einem Probegendarm in das Stüberl ein und kündigt Eder die Verhaftung an. Doch dieser weigert sich in zornigem Ton, trotz wiederholter Aufforderung mitzugehen. Kutzenberger ruft nun zwei weitere Probegendarmen herbei um Eder zu fesseln und gewaltsam zu entfernen. Auf das hin springt Eder mit dem zornigen Rufe Himmel, Herrgott, Sakrament! vom Bett auf. Kutzenberger nimmt im selben Momente den Karabiner fertig, um einem Angriff zu begegnen. Er steht hierbei knapp neben dem Bette in der ca. 2 m breiten Kammer mit dem Rücken an der Wand. Beim Aufspringen stößt sich Eder das Bajonett in die Brust, dass in der linken Seite unterhalb der Brustwarze ca. 10 cm tief eindringt. Eder sinkt mit einem Schmerzensruf auf das Bett. Ein Zurückweichen Kutzenbergers beim Aufspringen Eders ist mit Rücksicht auf die Enge der Kammer unmöglich.”

Die Probegendarmen legen Johann Eder einen Notverband an. Doch stirbt dieser nach einer viertel Stunde. Der Arzt wird gerufen, kann aber, weil er in Molln beschäftigt ist, nicht erscheinen. „

Jeder mache sich selber ein Bild davon.

Auch im Fall des Todes von Vinzenz Bloderer stellt der Film es einseitig dar. Lugner )der Forstbeamte) hatte klare Weisung den Wilder nicht zu erschießen. Die vom Film unterstellte Weisung des Grafen ist schlicht eine Lüge. Der Vorgesetzte von Lugner, Knieling hat  Lugner direkt den Wilderer hinterher geschickt und versucht dem Wilderer den Weg abzuschneiden. Bloderer schießt auf Lugner und springt auf um davon zulaufen und wird dabei von Lugner , der seinerseits schießt, in den Rücken getroffen. Selbst wenn man unterstellt, der Heißsporn Lugner hat gezielt in den Rücken geschossen, bleibt der Fakt, dass der Wilderer das Feuer als erster eröffnet hat.

Mir fehlt in dem Film die Sicht der Grafen von Lamberg. Ihr Familienarchiv ist erhalten und könnte also befragt werden.

Zur Einordnung: die Wilderer haben 1918 zwischen 300 und 600 Stücke geschossen. Das geht über Selbstversorgung hinaus. Die Rolle von Dolleschal ist in diesem Zusammenhang dubios. Wesentliche Mitwisser sterben in der Mollner Wildererschlacht.

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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