Sächsisches Lebkuchenrezept

Weihnachtsmarkt Meißen
Weihnachtsmarkt Meißen

Auf Wunsch stelle ich hier die Rezeptur aus dem Drogistenlexikon zur Verfügung. Ohne Übersetzung ist es nicht verträglich. Es strotzt von lateinischen Wörtern, Abkürzungen und allgemeinen Verarbeitungsanweisungen wie: „ Mit dem Teig wie allgemein bekannt verfahren“.

Ich habe es daher lesbar und verständlich gemacht durch entsprechende Ausführungen aus dem „Altdresdner Backbuch“ ergänzt. Einige Erfahrungen von mir mit der Lebkuchenbäckerei habe ich in eckige Klammern gesetzt. Obwohl der Teig nicht das eigentliche Geheimnis ist sondern die Rezeptur der Gewürzmischung, nimmt seine Vorbereitung den größten Teil ein.

Dann wollen wir mal beginnen:

„Man nehme Roggen- und Weizenmehl zu gleichen Teilen. Der Teig ist gründlich mit Zuckersirup …[Anmerkung : es geht auch guter Bienenhonig – der Sirup war die Lösung der einfachen Leute] durchzukneten. „

Hierzu das Altdresdner Backbuch:

Am Kneten soll man nicht sparen. Am besten die Hausfrau überlässt dies einem kräftigen Mannsbild. Sie versäume nicht dabei eifrig Aufsicht zu führen, denn oft sind die solcherart verpflichteten faul und liederlich.“

„3 Teile (Sirup und Gewürz) zu einem Teil (Mehl) ist seit Menschgedenken als beste Mischung erachtet worden.“

Und wieder das Altdresdner Backbuch

Die Hausfrau achte auf einem lockeren Teig!“

„Der Teig in einem kühlen Keller mindestens 4 Wochen abstellen.“

[Bis zu 4 Monaten waren in der Meißner Pflege üblich, in meiner Kindheit waren es zuhause auch mal nur 14 Tage].

Wenn nun die Zeit der eigentlichen Bäckerei gekommen ist, nehme man den Teig und knete ihn erneut (Altdresdner Backbuch: kräftig und ausdauernd). Gewürzmischung und Hirschhornsalz langsam beigeben nach der letzten Zugabe mindestens 5 Minuten gründlich kneten. Auf der Brechbank durcharbeiten. Anschließend beliebig zu verarbeiten. Tafeln und Würfel [auch Eulen und Meerkatzen?] sind beliebt.“

„Gewürzmischung für 2 Pfund Teig [1 kg]

Ein halbes Pfund feingeschnittenes Zitronat [ 250 g]

Ein halbes Pfund fein gewiegte Orangenschale [ 250 g]

Drei Pfund grob gehackte aber geröstete, nicht zuckierte Mandeln [1500g]“

[Gute Hasel oder Walnüsse gehen auch – haben wir in der DDR Mangelwirtschaft, wo Mandeln schwer zu bekommen waren, so gemacht]

 

Drei Loth Nelken [etwa 50g]

Etwas Zimt

Bittermandelöl nach Belieben.

In einem Teelöffel voll Wasser aufgelöste Pottasche und etwas Ammonium auflösen.

Nach dem Auskühlen nach Belieben mit Schokolade oder Zucker überziehen.“

Und noch einmal das Altdresdner Backbuch :

Die Hausfrau wird nicht fehl gehen wenn Sie die Lebkuchen mit Konfitüre füllt“

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

5 Gedanken zu „Sächsisches Lebkuchenrezept“

  1. Daaanke, oller Sachse, für das Rezept! 🙂 Und was für eine Mühe Du Dir mit dem Artikel gemacht hast!

    Nun kann ich das gerade noch auf die Reihe kriegen. Völlig neu war mir, den Teig wochenlang ruhen zu lassen, und eben nicht das fertige Gebäck wie etwas beim englischen Weihnachts-Früchte-Kuchen. 🙂 Ich stamme halt aus einer Hungerleider-Gegend, wo es überhaupt keine Lebkuchen gab.

    Das mit dem Sirup kann aber auch erst im 19. Jahrhundert eingerissen sein, insofern es vorher keine Zuckerrüben gab.

    Sehr gelacht habe ich bei der Kochbuch-Passage, daß die Frauen mal lieber ihre Männer beim Kneten beaufsichtigen sollten. So ist das nun einmal. 🙂

    Sehr gut auch die Bemerkungen über den Erfindungsgeist in der „Mangelwirtschaft“. Du hast sie erlebt, ich nicht in der Form. Schwieriges Thema. Manchmal denke ich: Etwas mehr Mangel könnte uns auch nicht schaden, damit wir nicht ganz so fad werden. Aber das ist wirklich schwierig…

    Es lebe die Freundschaft unter den Deutschen Stämmen, es lebe der deutsche Regional-Patriotismus.

    1. Ein dreifach Vivat auf die Freundschaft der deutschen Stämme!
      Die Mühe habe ich mir gern gemacht. Kommentare sind Anregung. Und – es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Der Zist definitiv ein Thema DES 19. JAHRHUNDERTS: Oft wird vergessen, dass erst die Zuckerrübe, Süsse in die Küche der einfachen Leute gebracht hat.Ebenso wie die Gewürze erst mit der Massenproduktion/Ersatzstoffen (ich sage nur Vanilin) erschwinglich wurden.
      Mangel macht erfinderisch, man wird auch ein Stück genügsamer, freut sich an kleinen Dingen. Er ist aber auch mühsam und ärgerlich. Ich wünsche mir manchmal für unsere Zeit mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit.
      “Genieße froh was Dir beschieden,
      entbehre gern, was Du nicht hast,
      ein jeder Stand hat seinen Frieden,
      ein jeder Stand hat seine Last!”
      (Gellert – schon wieder ein Sachse!)
      Auch wenn der Spruch natürlich dem nicht umtriebigen zur Rechtfertigung dienen kann…

      1. Ich sollte mich jetzt mal einfach in die Federn verkrümeln, kriege das angesichts dieses Themas aber doch nicht ganz fertig. 🙂

        Der Mangel. Meine Mutter ist Jahrgang 1944. (Die ist so alt wie Gerhard Schröder, so wie ich halt so alt wie Boris Becker bin.) Heute also 72 Jahre alt und putzmunter, arriviert. Die hat die ersten zehn Jahre ihres Lebens ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Kanalisation verbracht. Klo im Schweinestall. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen.

        So, wie sich heute auch schon keiner mehr vorstellen kann, daß wir als Kinder in den 70ern nur einmal pro Woche gebadet wurden, und mit mehreren Geschwistern gerne mal auch im gleichen Wasser. Wäre heute in Fall für das Jugendamt. 😉

        Ich wünsche niemandem (na, fast niemandem) was Böses, denke mir aber auch oft: „Ein kleiner Abenteuer-Urlaub in die Generation vor uns könnte den Deutschen heute nicht schaden.“ 😉

        So is dat, wi Düütschen mööt tauhaube holen! 🙂 #vivat

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