Sturmtief Egon

Winter in Dresden

Nach allem was ich bisher gelesen habe ist das Schlimmste ausgeblieben. Trotzdem denke ich führt es uns eindrucksvoll vor Augen, dass der Ausfall von Strom, Wasser und Heizung gar nicht so unvorstellbar in Deutschland ist.

Man sollte darauf vorbereitet sein, aber sind wir es?

Ein paar Zahlen:

– der durchschnittliche deutsche Haushalt hat Lebensmittel für 3,5 Tage zuhause

– der durchschnittliche deutsche Haushalt hat Wasser für 1,8 Tage zu Hause (puhh ist das wenig)

-nur 22 Prozent der deutschen Haushalte haben eine alternative Heizquelle (grob gesagt: nichtmal jedes Einfamilienhaus hat diese Möglichkeit)

-nur 11 Prozent hatten eine alternative Kochmöglichkeit (dabei nimmt ein Outdoorkocher weder viel Platz weg noch ist er sehr teuer)

– Kerzen haben immerhin 42 Prozent der Haushalte im Haus.

(Alle Zahlen aus einer Studie zur Krisenprävention die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 2012 in Auszügen veröffentlicht wurde.)

Ich persönlich habe meine Vorbereitung begonnen darauf auszurichteten zwei Wochen autark leben zu können.

Wer sich näher mit der Vorsorge beschäftigen möchte:

http://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

11 Gedanken zu „Sturmtief Egon“

  1. Jetzt mal nichts zu Deinen Überlegungen zur Notfall-Bevorratung: Weder Alex noch Egon haben sich hier (Hannover) nennenswert merklich gemacht. Halt normales, eher mildes Januar-Wetter. Im Winter ist es kalt und es schneit – für die Deutschen heute offenbar schon eine Sensationsmeldung.

    Aber zwischen den beiden Tiefs hab ich mich hier vor der Haustür (durch eigene Doofheit) wegen Glatteis tierisch auf die Klappe gelegt! :mrgreen: (Wir hatten hier am letzten Sonnabend Blitzeis, auch so ein Neu-Wort… War heftig.)

    Das mit den 42% Kerzen kommt aber sicher durch den deutschen Hang zu Romantik zustande. Als ich in den späten 90ern für ein paar Monate in Südrußland gelebt habe, konnte das keiner verstehen: „Haben Sie hier denn kein Licht?“

    Horrido!

    1. Nochmal als eine öffentliche Antwort (vielleicht interessiert es auch noch andere):

      Die Deutschen und die Romantik. Ich denke, in der Art. Die Vergangenheit zu verklären stehen wir nicht allein. Z.B. in England gab es eine ausgeprägte Romantik und auch die Kritik daran. Typisch deutsch ist das sich im kleinen Glück zufrieden geben. Darin spiegeln sich die gewaltigen Brüche der deutschen Geschichte wieder. Beispiel Biedermeier. Diese Epoche ist nur zu verstehen, wenn man sich die gewaltigen Verheerungen welche die napoleonischen Kriege hinterließen vor Augen führt. Sehr viele standen vor dem Nichts, ich wage zu behaupten 1815 ist vergleichbar mit der Stunde Null 1945. Wenn Du gestern noch gegen das Verhungern gekämpft hast genießt Du jedes noch so bescheidene Glück und idealisierst es eben auch. Nicht vergessen 160 Jahre vorher war das auch schon mal so – das Ende des Dreißigjährigen Krieg. Nur das die Erholungsphase kurz war, bald folgten schon die Kabinettskriege des Rokoko. Dazu kommt die spezifische Situation. 1648 ist der Triumph des Adel und die Niederlage des Bürgertum (als Folge der Kriege, n.icht als Kriegsparteien). Deswegen fehlen uns erfolgreiche Revolutionen wie sie England und Frankreich vorzuweisen haben, daher rührt der Drang wann immer es schwierig wird den Rückzug ins private zu suchen. Und das prägt! Nicht umsonst erleben wir jetzt -wo es wieder eine industrielle Revolution gibt- einen Historismus und das Beschwören der Gemütlichkeit! Man muss sich nur mal die Werbung ansehen.

  2. Ja, klar, Mary Shelley und Lord Byron waren nun einmal bekanntlich keine Deutschen und ein paar Jahrzehnte später die Präraffaeliten auch nicht. (Ich frage mich das schon lange: Das Mutterland der Industrialisierung flüchtet sich in historisierende Nebelwelten – und die französischen Impressionisten mal begeistert Eisenbahnbrücken und Flugzeuge.)

    Aber die Sache mit den „gewaltigen Brüchen“, da komme ich nicht mehr mit. Als ob die Napoleonischen Kriege nur in Deutschland stattgefunden hätten! Was soll Rußland sagen, was Spanien, was selbst Italien? Beim 2. Weltkrieg ist es in dieser Hinsicht vergleichbar. Wie hat es 1945 in Orel ausgesehen oder in Minsk oder in Moskau? Oder in Warschau. Der Dreißigjährige Krieg ist auch und in hohem Maße so ein Kitsch-Mythos des 19. Jahrhunderts: „Horrrch, Kind, horrrrch, wenn der Sturmwind weht“. Und ähnliche Gruseligkeiten. „Pommernland ist abgebrannt.“ Lächerlich.

    Der in absoluten Zahlen mit Abstand verlustreichste Bürgerkrieg war die Taiping-Revolte in China. Der reguläre Krieg mit den höchsten Opfern unter der Zivilbevölkerung war… Na? Richtig, der Tripelallianzkrieg Paraguays gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay.

    Es ist einfach historisch unhaltbar, hier irgendwelche deutschen, besonders tragischen Sonderschicksäler konstruieren zu wollen. Die Deutschen sind eigentlich fast immer auf der fetten Seite gewesen, und so bekanntlich auch heute.

    1. Es geht nicht darum herumzuheulen oder Kitsch zu verbreiten sondern Mentalitäten zu erklären. Meiner Meinung nach ist der Zerstörungsgrad und die damit einhergehenden Brüche schon singulär. Dazu nachfolgend ein paar Beispiele.

      Der Dreißigjährige Krieg schaltete das deutsche Bürgertum als politische Kraft aus, den seine ökonomische Basis war zerstört. Das hat weder diverse engl. Bürgerkriege in England noch die Religionskriege in Frankreich geschafft.
      Die Länder der Hautparteien (Habsburg, Frankreich Schweden waren gar unangetastet. Den der Krieg fand ja überwiegend in Deutschland statt. Ich illustriere die Zerstörung mal an Hand von Meißen (da war mein Vater kirchlicher Verwaltungsbeamter und ich kenne daher die Kirchenbücher recht gut und habe dazu mal gearbeitet [Zahlen – so wie ich sie im Gedächtnis habe, da ich Zugriff auf die Daten erst am Wochenende wieder haben werde]). Ende des 16.Jh. hatte Meißen 7-8000 Einwohner. Die Zählung der Kurfürsten 1647 (Sonderfrieden von Kötzschenbroda /Eilenburg) ab 1646)ergab 1543 Einwohner. Dabei war Meißen lediglich ein Elbübergang an einer wichtigen Handelsstrasse. Es haben keine Schlachten oder bedeutenden Gefechte in der Nähe stattgefunden. Noch rund einhundert Jahre später (Jahreszahl müsste ich nachschlagen) hatten nicht alle wüst gefallenen Grundstücke einen neuen Eigentümer (wobei die Kabinettkriege sicher ihren Anteil hatten). Dabei ging Sachsen sehr pragmatisch vor. Wer ein wüstes Grundstück zwanzig Jahre bewirtschaftete dem gehörte es dann, tauchten später ursprüngliche Eigentümer oder Erben entschädigte das Kurfürstentum diese.
      Napoleonische Kriege – auch hier ist der Grad der Zerstörung höher als in Spanien oder russland da die Akteure kreuz der quere durch Deutschland gezogen sind und dabei das Land verheert haben. Die Schulden der Stadt Meißen und ihrer Bürger (die für die Schulden nämlich hafteten) aus den französischen, preußischen und russischen Kontributionen herrührten wurden erst endgültig in der 1870ziger Jahren abgetragen. Es gab im Winter 1813/1814 weder Zugvieh (um aus anderen Gebieten evtl. Nahrung heran zubringen) noch Nahrung so das die Kirchenbücher eine erhebliche Anzahl an Hungertote verzeichnen. Es fehlte an vielem Notwendigen für den Neuanfang. Werkzeug, Pferde und Menschen waren hinweggeführt worden (ich erinnere mich an einen Traueintrag indem ausgeführt wurde das der Vater des Bräutigams anno 1813 von den Franzosen hinweggeführt wurde und auf immer vermisst blieb)

      WK II – es macht einen Unterschied ob ein Land komplett zerstört und verheert wurde oder ob Teile eines Landes zerstört sind. Das macht z.B. den Unterschied zu den Gebieten der SU aus. Ich will diese Zerstörung nicht kleinreden, aber sie hatten noch unangetastete industrielle Zentren. Das War in Deutschland nicht der Fall.

      Aus diesem Zerstörungsgrad resultieren Folgen für die Mentalität.
      1. Keine Emanzipation des Bürgertums im 18 Jh.
      2. Ein Scheuen des Konfliktes und solange die Verhältnisse irgendwie aushaltbar sind ein flüchten in eine heile Welt im 19 Jh. (1848 wurde nur von einer Minderheit getragen)
      Aus dem Zusammenspiel von 1 und 2 sind die Ursachen für die deutsche Romantik zu suchen.

  3. Sorry, aber 1648 als Sieg des Adels über das Bürgertum verkaufen zu wollen, ist einigermaßen zweifelhaft. Ich frage mich wirklich, wo Du das in der Schlichtheit herhast, ich habe das auch in dieser Form noch nie gehört oder gelesen. Wer wird 1648 (formell) unabhängig? Die Niederlande. Ist das eine Adelsrepublik? Wer sichert sich 1648 weitestgehenden Freiheiten vom Kaiser? Die Reichsstände. Und das sind eben nicht nur „der Adel“, sondern genauso Bremen, Lübeck, Hamburg und Nürnberg.

    2. WK: Jo, dann war der Russe tatsächlich so unverschämt, sich unter Stalin gar noch jenseits des Ural Industrie aufbauen zu wollen, und die deutschen Meister-Generalstäbler mußten dann damit klarkommen, obwohl sie ja so gerne neue Kartoffeläcker und Herrengüter im Slawenland gehabt hätten. Mann, der 2. Wk hat die Russen, als Angegriffene!, mindestens 20 Millionen Tote gekostet. Aber Deutschland war dann „vollkommen zerstört“, nicht wahr? Und hier in der BRD gings dann auch gleich mit den gleichen Leuten weiter, während man im Osten immerhin den Versuch gemacht hat, unter den alten Herren aufzuräumen.

    Wie es mich ankotzt, dieses selbstmitleidig-teutonische Opfergefasel.

    1. Das Bürgertum hat ausgehend vom Spätmittelalter systematisch an Bedeutung gewonnen und sich Rechte und Privilegien gesichert. Sicherlich in regionalen Unterschieden, aber grundsätzlich ist diese Tendenz da. In dem Maße wie es an Bedeutung gewann hat es auch politisch mitgespielt. Sie Dir nur Nürnberg und Hamburg an! Basieren tat das alles auf Handel und Gewerbe. Das hat der dreißigjährige Krieg vernichtet. Die meisten Städte haben nach diesem Krieg deutlich kleinere Brötchen backen müssen und sich in Adelsterretorien einfügen müssen.. Ein mitspielen wie im 16 Jh. War nicht mehr möglich. Das ist verallgemeinert und auf der Basis der Stände betrachtet,aber Dein Schlichtheitsvorwurf untermauert Du bitte mit Argumenten. Gerade z.B. Hamburg hat nach dem Dreißigjährige Krieg ein Mitspracherecht Schwedensin gewissen Fragen und GlÜckstadt (was die Elbe kontrollierte) dulden. Nürnberg war auch gestutzt und suchte den Ausgleich mit den umgebenden Territorien.

      Zum WK II es ist ein Unterschied in der Auswirkung ob ein ganzes Land verheert würde oder nicht. Ich verstehe nicht warum Du emotional lospolterst, wir reden über sachliche Analyse nicht über moralische Wertungen. Und meiner Meinung nach erklären diese Brüche einiges im Charakter der Deutschen. No less, No more.

      Und es geht hier nicht um Opfergefasel, da das wieder Wertung ist. Und Geschichte ist immer die Summe von Entscheidungen, wo man immer (wenn sich einer beklagt) sagen kann, dann hättet ihr Euch anders entscheiden müssen, gekonnt habt ihr es.

      Nochmal: ich kann Deine unsachliche emotionale Reaktion nicht nachvollziehen. Widerspruch gern! Aber bitte auf der Sachebene!

  4. Um das klarzustellen: Es ist mir natürlich klar, daß es dieses schmierige „Wir waren immer die Opfer!“-Gequatsche auch im volkstümlichen Geschichtsbild anderer Nationen gibt. Polen, der „Christus der Völker“. Ungarn. Irland. Etc.

    Aber es ist nirgends so peinlich wie in Deutschland, dem großen Tätervolk des 20. Jahrhunderts.

    1. Es geht nicht um Opfermythen. Es geht darum warum gewisse Mentalität ausgeprägt wurden.
      Ich schreibe jetzt etwas polemisches : mir ist der lieber der stolz ist auf die Effizienz der Gaskammern und die Folgen der deutschen Verbrechen/Niederlage akzeptiert als der der sich im Schleime windet“die Geschichte hat uns so schlecht behandelt“ (gleich danach kommen die Dauerschuldträger). Geschichte entsteht nicht einfach! Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen. Lässt sie uns so wie sie ist akzeptieren und daraus für die Zukunft lernen!

  5. Gna, der Wiederaufstieg des Adels gegenüber den Bürgertum bzw. der Monarchen gegenüber den Ständen in der Frühen Neuzeit ist ein historischer Gemeinplatz – in Fachkreisen wird das auch Absolutismus genannt. Das ist weder ein auf Deutschland beschränktes Phänomen, noch gibt es da eine nennenswerte kausale Verbindung zum Dreißigjährigen Krieg. Jedenfalls ist das kein deutsches Sonderschicksal. Das gibt es in Rußland, Schweden, Frankreich, Polen, Spanien etc. pp. auch.

  6. Mal abgesehen davon das der Absolutismus ist eine Fiction ist weswegen viele Historiker es vorziehen vom Ancien Regim zu sprechen, zu Deinen Beispielen. Polen – die Stellung des polnischen Bürgertums war nie so stark wie die des deutschen. Dort von einem Wiederaufstieg des Adel zu sprechen ist schlicht falsch, er ist nie angestiegen. Frankreich- das Bürgertum löste dort – unter religiösen Vorzeichen- eine Machtkrise aus und würde gestutzt. Auch nicht mit Deutschland nach dem Augsburger Religionsfrieden zu vergleichen. Zu Rußland und Schweden kann ich nichts sagen habe mich damit nicht in der nötigen Tiefe befasst.

    1. Um Pardon, aber das wird immer mehr sächsisches Heimatforscher-Niveau.
      Ancient mit t. Regime mit e am Ende, wahlweise auch Akzent drüber.
      Und schieß erstmal diese beknackten Javascripte aus dem Blog, die den Fox lahmlegen.
      Ende der Debatte.

Schreibe einen Kommentar