Survival – worum es mir dabei geht!

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https://www.youtube.com/watch?v=9IyGZqNk-iU

Azze Buschpirat hat ein Video hochgeladen wo er sehr ehrlich über eine Notsituation die er jüngst erlebt hat spricht. Es berührt das wodurch ich selbst zum Thema Survival gekommen bin – den Notfallen beim wandern.

Ich habe damals die Situation recht gut gemeistert. Aber ich konnte auch auf Wissen, dass mir als Wanderwissen mitgegeben war zurückgreifen. Heute weiß ich das dieses Wissen nicht selbstverständlich ist. Azze hat das erlebt was für mich  soetwas wie die typische Survivalsituation, die bei uns eine realistische Eintrittswahrscheinlichkeit hat, ist. Deswegen möchte ich die Situation kommentieren.

Bitte seht Euch das Video an ehe Ihr weiterlest. Alles nachfolgende sind Kommentare zu den Ausführungen von Azze. Vorab – ich habe Hochachtung davor das sie diese Situation gemeistert haben. Und dies ist als konstruktive Kritik und keinesfalls persönlich gemeint.

Es gibt mehrere Faktoren, die auf diese diese Situation eingewirkt haben. Teilweise haben sie die Situation verschärft. Zum Glück ist es nicht zu einer finalen Verschärfung gekommen (Sturz o.ä vom Begleiter oder Azze mit Verlust der Fähigkeit zu Gehen).

Was machte die Situation gefährlich (über die von Azze als Fehler benannten Dinge hinaus):

1. Offenkundig wurde  die zuerwartende Wegesituation (Schnee  und der Windbruch durch die Winterstürme)nicht vorab geklärt bzw. spielten in der Vorbereitung keine signifikante Rolle den sonst wäre (zumindestens!!!) es nicht zu 2. gekommen

2. Zeitverlust, die beiden sind erst gegen Mittag gestartet und haben sich beim gehen noch viel Zeit genommen.

3. Auf dem Arber ist zumindest eine Notrufabdeckung (beim Notruf werden alle Netze, egal mit wem Du Deinen Vertrag hast, auch die militärischen, genutzt) gegeben. Es wäre sinnvoll gewesen den Notruf zu kontaktieren zumindestens um zu sagen was passiert ist, was man vorhat und ab wann die Suche einsetzen soll zu vereinbaren.

4. Weitergehen im Dunkeln – ich kenne nicht die Lichtausrüstung der Beiden – aber das war riskant. Dunkelheit erhöht die Unfallgefahr. Das Notbiwak ist manchmal die richtige Wahl.

Ich denke Azze und sein Kumpel sind in einer schwierigeren Situation gewesen als sie es sich eingestehen. 

Auf der Habenseite steht eindeutig: sie hatten die Ausrüstung für ein Notbiwak dabei. Im Falle eines Sturzes o.ä. sprich eines Ausfalls der Gehfähigkeit, hätten sie die Nacht überlebt.

Unklar ist ob es eine Vereinbarung mit Freunden oder Bekannten gab um  sicher zustellen, dass tatsächlich ab einer gewissen Zeit eine Suche durchgeführt wird. Ungeklärt ist auch in wie weit die Wegesituation , vorallem die umgebrochenen Bäume  auf dem Aufstieg zu erkennen gewesen ist.

Es ist nochmal gut gegangen.

Bitte – auch wenn ich mich wiederhole -:

-Durchdenkt vor der Tour was kann passieren. Was muß ich mitnehmen um darauf angemessen reagieren zu können? Ein Notbiwak kann immer erforderlich werden! Unterkühlung ist Euer erster Feind!

-Plant Zeitreserven bei Tageslicht ein!

-Vermeidet in einer gefährlichen Situation (soweit möglich): unbekannte Wege, Abkürzungen, gehen in der Dunkelheit und auch alles andere was Wagnisse sein könnten.

-Habt den Mut abzubrechen,Vorsicht ist keine Schande! Denn (in Abwandlung eines anderen Spruches): es gibt keine alten gewordenen und wagemutigen Tourengeher.

-hinterlasst was Ihr machen wollt, welche genaue Route ihr vorhabt, wann Ihr zurück sein wollt und ab wann gesucht werden soll.

-In der Situation: glaubt an Euch! Wir können mehr als wir denken! Bewahrt den kühlen Kopf!Denkt realistisch aber positiv!

 

Ein Wort noch zum vermeindlich leicheren Weg voraus. Es erinnert mich an die Messner Brüder am Nanga Parbat. Sie flüchteten sich in die vermeindlich einfachere Diamir Flanke. Nur einer kam zurück…

Die die mich kennen, kennen auch den im ersten Abschnitt angesprochenen Notfall damals im Hohen Venn (wir haben oftgenug darüber gesprochen). Es gibt Situationen, wo zurück keine Alternative ist und weitergehen bedeutet, dass die Gefahr wächst (z.B. gehen in der Dunkelheit). Dann ist es Zeit für ein Notbiwak. Das Messer und die Utensilien zum Feuermachen gehören immer an den Mann. Ein für die Jahreszeit viel zu warmer Pullover immer in den Rucksack! Survival wie er realistisch ist, hat wenig mit Würmer aus den Bäumen kratzen zu tun, sondern viel damit auf, garnicht so undenkbare Situationen im alltag vorbereitet zu sein. Packen wir es an!

 

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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