Survivalkits

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Survivelkits sind beliebt und verkaufen sich dementsprechend gut. Von militärischen Ausrüstern wie ASMC bis hin zum DMAX Shop bieten unzählige Anbieter welche an. Vieles was es da zu kaufen gibt ist aber teuer verkaufter billiger Schrott. Die Zusammenstellung variiert und ist oft fragwürdig. Doch es lohnt sich ein Blick zurück.

Survivalkits sind eine Erfindung des zweiten Weltkrieges. Abgeschossene Flugzeugpiloten konnten oft mit wenig Gnade rechnen. Ob das richtig, verständlich oder einfach nur ein scheußliches Verbrechen war, will ich hier nicht erörtern. Fakt ist: die Piloten mussten sich verstecken bis sie von den eigenen Leuten rausgeholt werden konnten oder sich zu befreundeten Kräften (Widerstandsorganisationen, Guerillatruppen etc.) durchschlagen. Nun hat ein Pilot, der so an seinem Fallschirm hängt fast nichts dabei was ihm beim Durchschlagen behilflich sein könnte. Der Gedanke der USAF war so einfach wie bestechend: einiges an Material was dem Piloten beim Improvisieren behilflich sein könnte in eine etwa männerhandgroße Metallschachtel zu packen. Diese Schachtel passte in die Oberschenkeltasche der Uniformhose. Das Material ersetzte keine vollwertige Ausrüstung war aber beim Überleben sehr hilfreich. So war z.B. das legendäre US-Army Taschenmesser dabei (Achtung: dass meiste was heute unter diesem Namen angeboten wird ist wertloser Chinaschrott!). Ein Messer um z.B.Stöcke für den Bau einer Behelfsunterkunft anzuspitzen ist sehr hilfreich. Zumal – anders als die Fallschirmjäger der Wehrmacht- sie kein Kappmesser trugen. Noch während des Krieges wurde das Kit modifiziert: das zum Einsatz im pazifischen Raum wich, von dem ab das in Europa zum Einsatz kam. Und da sind wir bei einem wichtigen Punkt: dass für alle Situationen angemessene Survivalkit gibt es nicht. Es muss dem was man realistisch erwarten kann und muss angepasst werden. Klar ein paar Basics sind nie falsch, ich meine den Dreiklang: Messer, Feuer und Rettungsdecke. Aber darüber hinaus lohnt es sich darüber nachzudenken: “Was passt zu mir? Und was passt zur erwarteten Situation?” Ein Beispiel: wenn ich noch nie geangelt habe und eher mich im urbanen Raum bewege, sind Angelhaken wohl wenig sinnvoll. Und noch etwas lehrt der Blick zurück: nur das Survivalkit was immer am Mann ist, das ist sinnvoll. Die amerikanischen Piloten haben z.T. lieber Tabak  und Zündhölzer in die Schachtel gepackt, was für einige später zum Problem geworden ist.

Halten wir fest was wir aus der Geschichte lernen können:

  • DAS SURVIVALKIT gibt es nicht
  • Das Survivalkit muss immer am Mann/Frau sein können (Größe, Gewicht etc. sind darauf abzustimmen)
  • Das Survivalkit soll beim Improvisieren helfen, die erfolgreichsten Anwender bei den US-Streitkräften waren die, die vorher das Zeug in der Hand herum gedreht haben und sich gefragt haben „Und was soll ich mit dem Sch… im Ernstfall anfangen?“

Daraus folgt, das wer ernsthaft, wer über ein Survivalkit nachdenkt nicht nach der Fire and forgeth Methode irgendetwas von der Stange kaufen. Sondern:

  • Stelle Dein Kit individuell zusammen!
  • Passe es der Situation an! Vor einem Urlaub lohnt es sich über Anpassungen nachzudenken!
  • Habe es immer dabei! Es ist Dein mini EDC! Wenn Du ein EDC zusätzlich führst, stimme beide aufeinander ab!
  • Achte auf Qualität, wenn Du es wirklich einmal brauchst wird Dein Leben davon abhängen

Was aus meiner Sicht nie falsch ist: ist die Themen: Messer, Feuer, Kälteschutz/Wetterschutz, Licht und Erste Hilfe zu berücksichtigen.

Manche Menschen verweisen darauf, dass alles was über ein Überleben von 2-3 Stunden bis zu also bis zu dem Zeitpunkt wo in D auch im Gelände Rettungskräfte da sind, dient übertrieben ist. Ich möchte daher einige in D mögliche Szenarien  ansprechen:

Es passiert beim wandern etwas(z.B. ein Beinbruch) und der Wanderer hat nicht jemanden zuverlässigem die Route gegeben und gesagt wann er zurück sein will, dann kann es schon mal locker sein das erst wenn derjenige am Montag nicht zur Arbeit erscheint die Suche beginnt. Oder die informierte Person ist einfach unzuverlässig.

In Deutschland hast man in den Wäldern oftmals keinen Empfang. D. H. Wenn Du Dich nicht mehr selbst in die Zivilisation schaffen kannst hängt es stark davon ab wann zu suchen begonnen wird und wo .

Ein weiteres Beispiel: es gibt im Elbsandsteingebirge Spalten in die man ohne große Gesundheitsschäden reinrutschen kann, aber ohne fremde Hilfe nicht wieder heraus kommt. Auch hier ist die Frage wann und wo jemand nach Dir sucht bzw. ob Du auf Dich aufmerksam machen kannst. Eine Signalpfeife ist hier wirklich nützlich.

Es gibt aber (auch in D!) Gelände wo ich wenn ich von Nebel überrascht werde oder mich verirren Lebensgefahr im Weiterlaufen besteht da das Gelände stark zerklüftet oder moorig ist. Ich habe selber in den letzten 14 Tagen beim morgigen laufen die Situation erlebt, dass der Nebel so dicht war, dass selbst im mir vertrauten Gelände die Orientierung schwer wurde, einfach weil die Sichtweite unter 2 m war. Im angesprochenen schwierigen Gelände ist dann ein Notbiwak angesagt. Muss ich im Winter ein Notbiwak machen ist das eine Survival Situation, einfach weil die Herausforderung besteht so zu lagern das es nicht zu einer gefährlichen Unterkühlung kommen kann.

Hier noch ein Tipp: übe mit dem Kit, nur so lernst Du die Dinge wirklich anzuwenden und gewinnst Erkenntnis über Nutzen und Qualität Deiner Ausrüstung. Z.B. sind – meiner Meinung nach – die meisten Sägeseile Schrott und ein Taschenmesser mit Säge die bessere Alternative. Aber vielleicht machst Du ja andere Erfahrungen. Solltest Du an ein originales SERE  (Survival Evasion Resistance & Escape) Kit der US-Streitkräfte kommen, halte es fest – das ist ein Nugget- denn die US Streitkräfte achten sehr auf die Qualität des Materials darin.

Doch was ist in einem amerikanischen SERE Kit drin?

Stand 2017 USAF Europa:

  • Taschenmesser
  • Minibiwacksack
  • 8 Streichhölzer und eine Reibefläche
  • Feuerstahl und Schaber
  • 2 Stück Notzunder
  • Etwas Verbandsmaterial
  • Mehrere Sicherheitsnadeln
  • Eine Nähnadel und etwas Garn
  • 3 Kondome (Z.B. als Behältnis für Wasser)
  • Wasserentkeimungstabletten
  • Signalspiegel
  • Signalpfeife
  • Angelsehne und 5 Angelhaken
  • Anti Insektencreme
  • Survivalinstruktionen
  • Wasserfestes Papier und Stift
  • Sägeseil
  • etwas Fallendraht
  • etwas Paracorde

Zu guter Letzt: hoffen wir das wir es niemals brauchen.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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