Und Judas ging hin und erhängte sich – Teil II

Früchte des roten Holunder

Wo über mythisches und greifbares gesprochen wird.

Holunder ist gleich Holunder? – Denkste!

Der Holunder gehört zur Gattung der Mochuskrautgewächse. In Europa gibt es vier Arten von denen wir zwei häufiger antreffen können. Das ist der schwarze Holunder (Sambucus nigraden die meisten von uns mit Holunder assozieren) und der rote Holunder ((Sambucus racemosa)). Am einfachsten sind beide an den Beeren auseinander zuhalten. Die des roten Holunder sind eben rot, die des schwarzen Holunder eben schwarz. Weiterhin sind folgende Unterscheidungsmerkmale zu nennen: 1.die Blätter des roten Holunder sind im Austrieb bronze- bis messingfarben und werden erst später grün. Die des schwarzen Holunder sind von Anfang an  grün. 2. Der rote Holunder bevorzugt schattige eher höher gelegene Lagen, während der schwarze Holunder (auch wenn er auch im Schatten gedeiht), sonnige Lagen bevorzugt. Die Unterschied zwischen beiden zu kennen ist wichtig, da im roten Holunder (insbesonders in den Samen/Kernen) die Giftstoffe deutlich stärker ausgeprägtsind als im schwarzen Holunder. Diese können durch kochen zerstört werden, sofern die Samen entfernt werden. Ins Reich der Legenden gehört der silberne Holunder (siehe unten). Alle weißen oder silbernen Varitäten des Holunders sind Züchtungen jüngerer Tage.

Der Holunder ist seit alters her ein Hausbaum (d.h. ein am Haus gepflanzer/gezogener Baum). Diesen Satz kann man vielfältig finden. Fragt man danach was „seit alters her“ konkret bedeutet werden gern  die Germanen oder Kelten genannt. Doch das ist spät. Denn im Umfeld der neolithischen Siedlungen des Voralpenlandes ist der Holunder als wahrscheinlich  gezielt angepflanzte Nutzpflanze nachgewiesen.Problematisch finde ich, dass ich bislang einiges was den Germanen dabei zugeschrieben wird erst in Publikationen nach 1900 finde.

Unbestritten: er war für die Alten ein besonderer Baum! Dem  allerlei mythisches nachgesagtwird. U.a. soll er Haus, Mensch und Vieh vor Bösen schützen, ja man soll an seinen Blüten ablesen können ob bis zur nächsten Blüte im Haus jemand stirbt. Ich persönlich glaube unsere Vorfahren waren praktische Menschen. Der Holunder gedeiht besonders gut wenn er viel Stickstoff bekommt. In Form von Tierdung ist dies im Umfeld der Häuser unserer Vorfahren der Fall gewesen. Daher wurde er nahe  bei den Häusern gepflanzt.

Doch nicht nur in der Vergangenheit wurde mythisches über ihn gedacht und geschrieben. Hier der Auszug aus einer alternativen Gartenwebseite:

Der Holunder unterstützt uns auf unserem Entwicklungsweg bei Veränderungen, er hilft uns, zu reifen und Altes loszulassen, damit wir Neues in unserem Leben begrüssen dürfen. Sich von alten Denkmustern oder überholten Glaubenssätzen zu verabschieden, braucht eine Portion Mut, der Holunder begleitet uns dabei mit seiner mütterlichen Schutzkraft und gibt uns seinen Segen

Hexerei – mache moderne Hexe vertritt die Ansicht das der Holunder ein Hexenbaum sei, denn er täte die Zauberei tragen und doch verdecken. Ich erwähne es sicherheitshalber – ich habe mit solch hanebücheneden Blödsinn nichts am Hut, es zeigt aber wie sehr er als eine besondere Pflanze bei uns verankert ist. In die gleiche Kategorie gehören auch die Geschichten vom silbernen Holunder – als ein Holunder an dem ein heiliger Mann vorbeigegangen sei und der um ein vielfaches nützlicher sei – die ich aus der Steiermark kenne.

Zu guter letzt: der Geruch der Blätter des schwarzen Holunder (den manche Menschen als unangenehm empfinden) soll seine Ursache darin haben, dass Judas sich an ihm erhängte….

Aber warum haben die Menschen derart viel in den Baum hinein projeziert? Der Holunder ist ein sehr nützlicher Baum. Seine Früchte enthalten jede Menge Vitamine. Extrakte aus Holunderblüten sind ein altes Heilmittel bei Erkältungskrankheiten. Dazu ist das Mark im Inneren des Holunder weich, seine äußere Hülle indess besteht aus einem recht harten Holz. Weswegen das Holz des Holunder sich für allerei Dinge in der Wirtschaft unserer Vorfahren eignete. In Summe war der Baum ein Geschenk der Götter für die Menschen damals, welche sich von Magie und höheren Einflüssen umgeben glaubten.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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