Vom Knotenstock

Hermann war spät doch noch losgegangen hoffte er doch noch die Stadt in der Nacht zu erreichen. Der Mond schien hell und so machte er sich wenig Sorge um den Weg über denWeg durch den Wald und den Berg nichts aus machte. Die Felder waren schnell überwunden, der Wald nahm ihn auf. Er war ein mutiger Mann doch der Wald sah so ganz anders aus. Der Mond warf lange Schatten auf den Weg und der Wind raschelte im herbstlichen Laub. Etwas mulmig war ihm schon zumute wie er so ausschritt. Da bemerkte Herrmann jemanden versteckt hinter einen dicken Baum am Wegesrand stehen. Entschlossen packte er seinen Knotenstock….“

Der Bursche konnte nur übles wollen! Drum ging er frisch auf den Baum und dem dahinter verborgenen Mann zu….“

In Folge stellte sich dieser als ein Wanderbursche heraus der Ebenfalls des nachtest noch unterwegs war und der seinerseits Hermann für Gesindel gehalten hat. Der Ausgang der Geschichte ist weniger interessant mir geht es um den Knotenstock. Mich hat an dieser Geschichte über meinen Urgroßvater (sie soll im späten 19. Jh. Im Odenwald spielen und wurde mündlich weitergegeben), der Begriff des Knotenstocks fasziniert. Seit Kindertagen verbinde ich damit etwas wehrhaftes. Und genau das ist er auch!  Der Knotenstock war die legale Waffe all jener auf der Strasse, denen das führen einer Waffe streng verboten war. Also Studenten, Handwerksburschen, kleine Händler und andere die per pedes unterwegs waren. Er war Hilfe beim queren von Gewässern oder Gehen im schwierigen Gelände aber auch Waffe. Knotenstöcke aus gutem Hartholz sind durchaus geeignet Klingenwaffen zu parieren ohne Schaden zu nehmen.

Doch wie zum Henker sieht ein Knotenstock aus?

Ein einfacher Knotenstock.
Bildquelle:
miya [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]


Da ich kein geeigneten Bilder ansonsten gefunden habe greife ich für diesen Beitrag auf die Bilder von Wikipedia zurück)

Ein Knotenstock ist zuerst ein Baum der drehwüchsig gewachsen ist. Meist geschieht das weil die Waldrebe oder das Geißblatt den jungen Baum oder Strauch so umranken, dass er fast stranguliert wird. Er wächst deshalb drehend aus der würgenden Umarmung heraus. Zugleich verdichtet sich dadurch das Holz.

Findet jemand der damit etwas anzufangen weis einen solchen Baum, dann schneidet er ihn frei dann ab um ihn möglichst bald zu entrinden und über offenen Feuer zusätzlich zu härten. Anschließend kann er – der Ästhetik wegen –  mit verschiedenen Ölen behandelt werden.

Drehwüchsig gewachsener Baum
Bildquelle:http://Rosser1954 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Noch heute kann man Knotenstöcke bei wandernden Handwerksburschen sehen. Sie nennen ihn Stenz. Sie verbinden mit dem Stock geheimnisvolles und mythisches. Klar ist nur: es gibt Rituale, Traditionen und Sichtweisen auf den Stenz die sie strikt geheim halten.

Stenz- damit sind wir wiedermal beim Rotwelschen.  Das Wort ist mehrdeutig. Zum einen wird als Bezeichnung „Hilfe“ im Sinne „Gehhilfe“ überliefert, zum zweiten als Bezeichnung von jemanden mit losen Lebenswandel bis hin zur Zuhälterei, zum Dritten als jemanden unehrlicher Lebensführung auch ein Hehler kann so bezeichnet werden, zu guter Letzt ist der Stenz auch das männliche Geschlechtsteil. Ob der Begriff des „Stenz“ als Müßiggänger, eitlen Laffen noch mit in diese Bedeutung gehört (wie manche behaupten) bezweifle ich, es erscheint mir zu weit weg von den rotwelschen Wurzeln.

Jemanden „stenzen“ bedeutete ursprünglich, jemanden mit Verführungskünsten zu etwas bringen. Also klassisch das Zimmermädchen der gnädigen Frau, wenn man an den Schmuck der Gnädigen wollte.

Ein Stenz ist also immer ein Knotenstock, aber nicht jeder Knotenstock ein Stenz. Ich finde dabei sollten wir es belassen.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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