„Von altem Schrot und Korn“

„Herr Jansen war ein Seebär von altem Schrot und Korn…“ so beginnt ein Kapitel in dem Buch“Nebelfahrt im Skagerak“. Der Sinn ist jedem geläufig –

das ist jemand wie es sie nur in der alten guten Zeit gab. Doch was steckt dahinter. Dieser Begriff verweist in das Münzwesen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Münzen mussten damals den geprägten Wert an Feinsilber oder anderem Edelmetall enthalten. Schrot ist grob zerkleinertes Material. Zur Prüfung ob eine Münze mit ihrem Edelmetallgewicht dem geprägten Wert entsprach wurde diese zerspannt. Korn war die kleinste Gewichtseinheit für Edelmetall (abgeleitet vom Korn des Johannisbrotbaumes). Die Bezeichnung „Schrot“ verweist also darauf „von alter guter Zusammensetzung“ und „Korn“ von richtigem Gewicht. Denn die Münzherren haben – nicht nur aber besonders – in der Kipper und Wipperzeit Münzen  von „alten Schrot und Korn“ eingezogen und durch minderwertige Münzen ersetzt. Beliebt war statt aus Silber aus gebleichtem Kupfer zu prägen (falsches Schrot!)  oder das Gewicht zu veringern (falsches Korn).  Die Menschen bekamen das natürlich mit und wollten nur noch Münzen von „alten Schrot und Korn“ akzeptieren.

Die Kipper- und Wipperzeit löst im gesamten  Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen eine schwere Inflation aus. Manchem gilt sie als die erste Inflation in Europa. Ich bin da vorsichtig. Denn als Folge der Pest im 14. Jh. bricht der Silberpreis stark ein (Tote können kein Silber mehr ausgeben). So stark das im Erzgebirge mehrere Bergstädte und frühen städtischen Siedlngen aufgegeben werden. Ein gut dokumentiertes Beispiel ist „Bleiberg“ auf dem Treppenhauer nahe Sachsenburg (im Zschopautal).

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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