Von Freiheit und Gleichheit

Leuchtfeuer – unbekannter Künstler
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Vorab: normalerweise ist dieser Blog frei von Politik. Doch es gibt Ereignisse da bedeutet Schweigen Zustimmung und ist feige. Der „Vogelschiss“ ist so ein Punkt gewesen. Die Thesen des Juso Chefs sind ein ebensolcher Punkt.

Dieser Tage deliren alle links Denkenden von Enteignung. Befeuert von den Ausführungen des Chef der Juso Kevin Kühnert im Zeit Interview (das Interview liegt hinter einem Paywall weswegen ich es hier nicht verlinke). Die bürgerlichen Kräfte haben nichts kraftvolles dem entgegengesetzt, keine Kramp-Karrenbauer, kein Merz, kein Lindner, kein Dobrint – nichts nur heiße Luft und Gegeifer. Deswegen will ich formulieren was für mich den Kern des bürgerlichen Selbstverständnisses – und damit das Gegenstück des linken Bildes vom Mensch – ausmacht. Bewußt bürgerlich – nicht konservativ, liberal oder sonstwie etikettiert.

  1. ,Eigenverantwortung Ich stehe für mich selbst ein. Ich gestalte mein Leben selbstbestimmt, im Guten wie im Bösen. Zuallererst bin ich verantwortlich, niemand sonst. Nicht die Umstände die Gesellschaft – wer auch immer – ist verantwortlich wenn ich scheitere, nur ich selbst. Es sind meine Entscheidungen. Dementsprechend gehört auch der Sieg nur mir allein. Ich muß ihn mit niemanden teilen. Ich kann es tun, es gibt aber keine Verpflichtung dazu. Genauso wie ich niemals nach dem Staat um Hilfe heulen werde.
  2. Freiheit – schon in 1. ist dieser Aspekt stark enthalten. Der Staat und andere Personen sollen sich aus meinen Entscheidungen raushalten. Soviel Staat wie nötig (den 1. führt zwangsläufig zu Konfliken von Menschen), sowenig Staat wie möglich. Freiheit heiß auch die Gleichheit der Chancen, nicht jedoch die Gleichheit des Ergebnisses. Siehe auch 5.
  3. Ethisches Leben – ich folge einem inneren Kompaß an Werten (von humanistischen Werten zu sprechen verbietet sich da sie von allen Akteuren für sich in Anspruch genommen werden). Es gibt Regeln die sind in allen Zeiten und an allen Orten gültig. Z.B. Freunde verrät man nicht. An diese Regeln bin ich gebunden. Ich bin mir bewußt das es Menschen gibt die schwächer als ich sind, das Andere vielleicht kein Kämpferherz haben. Deswegen heißt ein ethisches Leben führen auch für andere da sein, ihnen aufhelfen. Unrecht nicht ohne Empörung sehen. Und ich will Seneca zitieren: “ Wenn sie Dich (von der ersten Stelle des Staates) verdrängen, dann bleib stehen und erhebe die Stimme und wenn sie Dir die Kehle zudrücken so hilf durch Dein schweigendes Beispiel“ Das Zitat findest sich in: „Mächtiger als das Schicksal“ in den Ausführungen über Großherzigkeit.
  4. Mäßigung – ich vermeide radikale Positionen den mir ist bewußt das jedes Ding zwei Seiten hat. Fast nichts nur schwarz oder weiß ist. Es ist die Sache des Bürgerlichen nicht, Revolution zu machen. Evolution ist sein Weg. Diu Maze – wahre das rechte Maß! (Das ist aus der benediktinischen Ordensregel abgeschrieben.)
  5. Alle Menschen sind Ungleich – Stauffenberg schrieb: „Und verachten die Gleichheitslüge“ besser kann man es nicht formulieren. Wir Menschen sind durch genetische Prädisposition und Sozialisation ungleich. Wir streben auch nach unterschiedlichen Dingen. Für den einen ist Glück ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur, für den zweiten Geld und für den dritten Erkenntnis. Das ist in Ordnung so und richtig. Das meint übrigens die amerikanische Verfassung mit ihrem „Pursuit of Happines „. Es ist das Recht nach seiner eigenen Auffassung glücklich zu werden. In der Ungleichheit der Menschen liegt auch begründet warum ein Staat Menschen mit größerem Erfolg abverlangen darf etwas mehr für die Allgemeinheit zu tun. Es geht wieder um die Gleichheit der Chancen. Wenn das Abverlangen darauf abzielt eine Gleichwertigkeit des Ergebnisses zu erreichen ist dies auf das schärfste abzulehnen, denn es nimmt dem Menschen den Antrieb vorwärts zu kommen, sich zu verbessern.
  6. Die Familie ist heilig – die Familie ist der Pflanzgarten in dem wir das Werk der Kultiviertheit, den Staffelstab der Arbeit an der Welt weitergeben. Der Staat und seine Institutionen mögen sich heraushalten. Es ist allein Aufgabe der Eltern aus ihren Kindern aufrechte Menschen und Kämpfer für die rechte Sache zu machen. Dafür stecken sie gern zurück und nehmen Nachteile inkauf. Persönlicher Gewinn, Selbstverwirklichung und Entwicklung finden ihre Grenzen dort wo sie der Familie schaden. Aufopferungswille wäre ein anderes Wort dafür.
  7. Nachtrag – beim lesen 24 Stunden später fällt mir auf: ich habe vorausgesetzt das der bürgerliche Mensch Bildungs- und Kulturbeflissen ist. Bemüht zu lernen, sich selbst zu verbessern. Das sei hier nachgetragen.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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