Wallnussbäume, Esskastanien, Brotbäume

Wallnussbaumallee – mit freundlicher Genehmigung von Igor Fodjewkin

Die Idee zu dieser Recherche verdanke ich Margot M. einer Internetbekannten. Ich war im Hochsommer in Oberwartha bei den Fünf Brüdern. Das sind fünf mehr als 400 Jahre alte Esskastanien. Ich schrieb darüber etwas auf Facebook und sie antwortete mir. U.a. schrieb sie das im Zentralmassiv in Frankreich Esskastanien auch Brotbäume genannt werden und gezielt zu Verbreiterung der Nahrungsbasis angepflanzt wurden.

Die Fünf Brüder um 1930 – Quelle: Deutsche Fotothek, Max Nowak

Diese Frage hat mich umgetrieben bisher kannte ich die Aussage, dass Esskastanie und Wallnuss in Folge der Hungerjahre  des ersten Weltkrieg bei uns eine weitere Verbreitung gefunden haben. Sollte es eine ältere Geschichte geben? Die Fünf Brüder sind immerhin nachweislich so alt. Und das 16. Jahrhundert ist eine Zeit enger Beziehungen Sachsens nach Frankreich. Ich habe mich auf die Suche gemacht und die Wallnuss mit einbezogen. Denn ihr anderer Name “Welsche Nuss” deutet auf eine alte Kulturtradition hin. Beide Bäume scheinen mit den Römern nach Deutschland gekommen zu sein und ihre erste Verbreitung ist dann auch folgerichtig im römischen Germanien. Dort gibt es auch substanzielle archäologische Nachweise wie z.B. den Wurzelstock eines Wallnussbaumes in Trier (3. Jh.n. Ch.).

Aber in Sachsen? Ich habe alle mögliche Literatur gewälzt um mehr als 250 Jahre alte Esskastanien und Wallnussbäume zu ermitteln. Die Literaturbandbreite reicht dabei von der “Nützlichen Beschreibung der Umgebung der Residenz Dresden” von 1842 bis hin zu modernen dentrologischen Webseiten. Vorab: die nachfolgenden Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten. Denn das 19.Jahrhundert neigte in Schwärmerei dazu sich im Alter von Bäumen deutlich zu verschätzen. Auch konnte ich für manchen Baum keine moderne Bearbeitung finden bzw. 14  der gefundenen Bäume sind abgängig, d.h. eine moderne Überprüfung ist garnicht mehr möglich. In zwei Fällen ist unklar ob es die Bäume noch gibt. Also, was habe ich gefunden? 26 Esskastanien die älter als 300 Jahre sind, zusätzlich 49 Esskastanien die zwischen 150 und 200 Jahren alt sind.  17 Wallnussbäume mit einem Alter von mehr als 200 Jahren, davon 9 mit mehr als 300 Jahre alt sind. Mein wichtigster Fund ist aber das Kurfürst August I (1526-1586), dass Anpflanzen von Esskastanien seinen Adligen empfohlen hat. Anders als sein Obstbaumedikt, dass sich an die Bauern richtete, wandte er sich mit dieser Empfehlung an die Edelleute (Danke an Daniela K. für den Hinweis auf die Anmerkung zu diesem Schreiben in der 2017-er Biographie von Kurfürst August!).

Ja es gibt eine ältere Geschichte der Kultivierung dieser Bäume in Sachsen. Leider bleiben die Gründe und ob es eine Verbindung nach Frankreich im Dunkeln. Ich werde aber die Augen und Ohren offen halten. Offenkundig hat man schon zeitig erkannt das diese Bäume sehr nahrhafte Früchte tragen und im milden Klima des Elbtales gut gedeihen. Belege aus rauheren Gegenden wie dem Erzgebirgsvorland konnte ich nicht finden. Auch wenn ich mich jetzt auf dünnes Eis wage: die Ältesten der von mir ermittelten Bäume stehen immer in der Nähe von Rittergütern, Schlössern – kurz  Adelssitzen, es scheint als sei die Empfehlung auf fruchtbaren Boden gefallen.

Auch deutlich wurde aber auch, dass mit der Reformbewegung des späten 19. Jahrhundert und tatsächlich nach dem ersten Weltkrieg die Pflanzung von Esskastanie und Wallnussbaum propagiert wurde. Die weitaus meisten heute zu findenden Bäume stammen aus dieser Zeit.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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