Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmarkt in Eschwege

Dieses Jahr fallen die Weihnachtsmärkte aus. Zeit in Erinnerungen zu schwelgen.

Der Spannenste

Was war mein spannendster Weihnachtsmarkt? 2008 in Wien! Dort gab sich das weite Reich des Doppeladlers ein Stelldichein so als säße Franz-Josef noch allweil in der Hofburg. Da war der Stand mit Filzwaren aus Galizien neben dem mit Triestiener Marzipan (nie wieder habe ich so köstliches gekostet), der böhmische Glasbläser neben dem Kroaten mit seinen Schnäpsen…

Der Berührenste

Der in Nürnberg hinter der ,,Sebalduskirche. Es war der Markt der Partnerstädte Nürnbergs. Ein Tag mit ekligem Schneeregen, Spätnachmittag in der Woche, es war schon dunkel, wenige waren unterwegs. Ich kam mit einem jungen Mann aus Limoge ins Gespräch. Ein Emailleur, das Handwerk hat dort schon Tradition seit den Kelten. Es stellte sich heraus das schon sein Vater immer hierhergekommen war. Spürbar, nicht ausgesprochen nicht trotzt, sondern wegen der Blutspur, die wir in Frankreich hinterließen. Keine Zeit das zu vertiefen! Bei Glühwein und Arrak haben wir über die Kunst des Emaillefluss gesprochen. Später, zuhause, habe ich nach langen Suchen etwas zur Geschichte der Familie gefunden. Den Großvater seines Vaters und dessen Schwester haben wir Deutsche als Geisel erschossen. Sein Vater wuchs beim Onkel auf. Mehr gab das Interview einer spezialisierten Zeitschrift nicht. Und irgendwie ich habe mich nicht getraut eine tiefere Brücke zu knüpfen, eine E-Mailadresse von ihm hatte ich ja….

Der Abgefahrenste

Das war Ende der neunziger Jahre der Wave-Gothic Weihnachtsmarkt im leerstehenden RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) in Leipzig. Alles war improvisiert. Die Gestalten mit ihren spärlich von Kerzen beleuchteten Tischen waren mir fremd. Ihre Handelsware zum Teil widerlich und gewiss nicht legal. In mir war an dem Tag eine große Fremdheit, ich war mir selbst fremd. Dort bin ich wieder zu mir gekommen, mir wurde bewusst was ich nicht war und darüber wieder das was ich bin.

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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