Zum sächsischen Geleitwesen

Alter steinerner Wegweiser an der Hohen Straße nahe der Gompitzer Höhe

Ich bin zu diesem Artikel bei einem Spaziergang durch Grumbach  inspiriert worden.

Das sächsische Geleitwesen ist untrennbar mit der Ausbildung der sächsischen Kanzleiwesen im Spätmittelalter verbunden. Sachsen ist auf Grund seiner Geographischen Lage, dem Bergbau und des Handels (man denke nur an die seitdem 12. Jahrhundert nachweisbare Leipziger Messe und die Via Regia ) kommen den Straßen erhöhte Bedeutung zu.

Wobei Straßenzustand und Sicherheit die wichtigsten Punkte sind. Zuerst stand das entschlossene Vorgehen des Kurfürsten gegen Räuber und Raubritter sowie das Einfordern regionaler Sicherungsleistungen. Zu gut deutsch: der Kurfürst schaute seinen regionale Adlige auf die Finger und duldete nicht das diese dem Tun und Treiben von Räubern zusahen oder sich gar selbst als Raubritter bestätigten. Natürlich dauerte dieses Durchsetzen einer zentralen Gewalt, aber im 16. Jahrhundert waren auch die großen Adelsgeschlechter eingehegt oder botenmäßig gemacht. Der nächste Punkt war der Strassenzustand. Die Kurfürsten definierten wichtige Strassenverbindungen die im überregionalen Verkehr zu nutzen waren, die aber auch instand zu halten waren. Sei es das die Orte längs der Route anstelle Steuern  zahlen zu müssen,  zum Wegebau verpflichtet wurden sei es das die Amtleute als Vertreter des Kurfürst es veranlasst.Diese Straßen waren in der sogenannten Gleitrolle verzeichnet. Für die Instandhaltung war Geleit zu zahlen, also Wegezoll. Damit niemand vom Wege abkam wurden Wegweiser errichtet erst aus Holz, später aus Stein. Das war in einer Zeit wo Landkarten noch eine Sache nur für Gelehrte waren, natürlichen auch für alle die auf der Strasse unterwegs waren nützlich.

Sidestep: während der Pestepedemien in der Frühen Neuzeit versuchte man die Routen an den von der Pest heimgesuchten Dörfern und Städten vorbei zuführen in dem man die Wegweiser änderte und die bisherige Route durch ein Verhau sperrte. Der Peststein von Trogen bei Lommatzsch ist ein beredendes Zeugnis aus dieser Zeit. 1607 starben der Trogener Wirt Hans Thiftthal mit seinem gesamten Hausstand an der Pest. Trogen liegt an der alten Poststrasse. Die Umstände des Todes und des Begräbnisses (auch den Zeitgenossen ist unklar geblieben wer der Fremde war der die letzten Verstorbenen im Garten des Wirtshauses begrub und warum er in den gesperrten Ort hinein ging) wären der Stoff für einen Roman.

 Das umfahren der Geleitzollstellen die sogenannte “Unterschleife” war streng verboten und wurde mit dem mehrfachen Geleit bestraft. Da der Mensch jedoch auf seine Vorteil bedacht ist war das natürlich solange das Geleitsystem bestand, Quelle unzähliger Querelen.

Im Prinzip bestand das System bis zum Chausee Bau im 19.Jh.

Nachbau der Ge­leits­geld­ein­nah­me und ei­ner Kur­säch­si­schen Halb­mei­len­säu­le in Ak­tion mit kö­nig­lich-säch­si­scher Post­kut­sche am Gast­hof in Grum­bach Von Foto André Kaiser – Archiv André Kaiser, CC BY-SA

Zur Geleitstelle Grumbach

In der Ortsmitte von Grumbach steht der Originalgetreue Nachbau einer Geleitstelle. Also des Ortes wo der Wegezoll zu entrichten war. Sie wurde wiedererichtet im Rahmen eines Projektes was Geschichte im ländlichen Raum erlebbar machen soll. Der Postkutschenverein von Tharandt fährt im Sommer regelmäßig mit dem Nachbau von Tharandt nach Wilsdruff. Im Tharandter Wald gibt es dann Räuber und in Grumbach muss man Wegezoll entrichten 😉

Autor: Angtarion

"Si hortum in bybliotheca habes, deerit nihil" Marcus Tullius Cicero

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